Buck Institute lanciert Healthspan Horizons – für mehr gesunde Lebensjahre
Die Menschen leben länger. Ob sie auch besser leben, steht auf einem anderen Blatt. Das Buck Institute for Research on Aging hat eine neue Initiative angekündigt, die sich gezielt der Messung und Verlängerung gesunder Lebensjahre widmet – ein Ziel, das sich leichter formulieren als verwirklichen lässt.
Healthspan Horizons, diese Woche ins Leben gerufen, nimmt sich eines Problems an, das das Institut als eines der drängendsten ungelösten Probleme der modernen Medizin bezeichnet: das Fehlen verlässlicher, standardisierter Methoden zur Messung der Healthspan. Ohne valide Messinstrumente lässt sich kaum feststellen, ob eine Intervention tatsächlich die Zahl gesunder Lebensjahre erhöht hat oder lediglich den Tod hinausgezögert und dabei Jahre der Krankheit hinzugefügt wurden.
Das Buck Institute mit Sitz in Novato, Kalifornien, gehört zu den weltweit führenden unabhängigen Alternsforschungseinrichtungen. Das neue Programm bündelt Wissenschaftler, Kliniker und Technologen mit dem Ziel, Biomarker zu identifizieren und zu validieren, die die Healthspan – und nicht allein die Lebensdauer – zuverlässig über Individuen und Zeiträume hinweg abbilden können.
Warum Gesundheit schwerer zu messen ist als Lebensdauer
Die Lebensdauer ist eine binäre Größe: Man zählt die Jahre. Die Healthspan ist mehrdimensional. Sie umfasst kognitive Leistungsfähigkeit, körperliche Kapazität, Stoffwechselgesundheit, Immunkompetenz und psychisches Wohlbefinden – jeder Bereich erfordert eigene Messverfahren, Längsschnitterhebungen und große Stichproben, um aussagekräftige Signale zu liefern. Wissenschaftlicher Konsens darüber, welche Kombination von Biomarkern „gesundes Altern" als zusammengesetzten Endpunkt am besten abbildet, fehlt bislang.
Das hat Folgen weit über die Wissenschaft hinaus. Regulierungsbehörden wie die FDA erkennen Altern derzeit weder als Krankheit noch als behandelbare Indikation an. Das macht klinische Studien zu alterungszielenden Interventionen außerordentlich schwierig – es fehlt ein akzeptierter primärer Endpunkt, an dem sich Erfolg messen ließe. Ein validiertes Biomarker-Panel für die Healthspan könnte diese Rechnung verändern und einen regulatorischen Weg für Therapien eröffnen, die derzeit keine Zulassungsperspektive haben.
Ambitionen und offene Fragen
Konkrete Angaben zu einzelnen Projekten und zur Finanzierung sind zum Auftakt noch spärlich. Was die Ankündigung signalisiert, ist eine strategische Schwerpunktverlagerung: weg vom Verständnis des Alterns auf molekularer Ebene, hin zur beschleunigten Überführung in klinisch messbare Ergebnisse, die für Patienten tatsächlich zählen. Ob Healthspan Horizons die der Forschung fehlenden Messinstrumente liefert oder eine weitere Initiative bleibt, deren Ansprüche die Ergebnisse übersteigen, wird sich erst in Jahren zeigen.