CRISPR-Werkzeug tötet Zellen durch RNA-Erkennung
CRISPR greift normalerweise DNA an. Ein neues System zielt stattdessen auf RNA ab und kann gezielt Zellen abtöten. Das eröffnet neue Möglichkeiten im Kampf gegen Krebszellen und virusinfizierte Zellen – ohne das Erbgut zu verändern.
Wissenschaftler haben ein CRISPR-basiertes Werkzeug entwickelt, das einen bestimmten RNA-Strang erkennt und bei dessen Nachweis den Zelltod auslöst. Der Unterschied zu bisherigen CRISPR-Methoden ist grundlegend: Anstatt DNA zu schneiden oder zu editieren, reagiert dieses System auf das Vorhandensein spezifischer RNA innerhalb der Zelle.
RNA (Ribonukleinsäure) ist der molekulare Botenstoff, der die Information der DNA in Proteine übersetzt. Krebszellen und virusinfizierte Zellen produzieren häufig abnorme RNA-Sequenzen, die in gesunden Zellen nicht vorkommen. Das macht RNA zu einem attraktiven Angriffspunkt: Bestimmte Zellen lassen sich identifizieren, ohne die DNA selbst anzutasten.
Präzise Zellelimination
In den Versuchen wurde das System auf Krebszellen und virusinfizierte Zellen angesetzt. Es erkannte die Ziel-RNA und aktivierte daraufhin einen Signalweg, der den programmierten Zelltod (Apoptose) einleitete. Gesunde Zellen ohne die spezifische RNA blieben dabei unberührt.
Die Technologie befindet sich noch in einem frühen Stadium. Die Experimente wurden in Zellkulturen durchgeführt, nicht in lebenden Organismen. Der Weg zu Tiermodellen und schließlich zum Einsatz beim Menschen erfordert noch jahrelange weitere Forschung. Fragen zu unerwünschten Nebeneffekten, zu Mechanismen für den Wirkstofftransport im Körper und zur Systemstabilität sind noch ungeklärt.
Ergänzung bestehender Ansätze
Bestehende Methoden zur gezielten Abtötung von Zellen – etwa die CAR-T-Zelltherapie – setzen auf Proteine an der Zelloberfläche. Das funktioniert gut, wenn ein solches Protein für die Zielzelle hinreichend charakteristisch ist. Doch nicht alle Krebszellen tragen ein verwertbares Oberflächenprotein. Die RNA-basierte Erkennung bietet eine Alternative, da die interne Genaktivität einer Zelle als unterscheidendes Merkmal dienen kann.
Die Kombination aus Präzision und Flexibilität macht diesen Systemtyp zu einem vielversprechenden Forschungsgegenstand für zielgerichtete Zelltherapien bei Krebs und Infektionskrankheiten.