Das Nipah-Virus tötet bis zu drei Viertel der Infizierten – und es gibt noch immer keinen Impfstoff
Nipah verursacht seit Jahrzehnten kleine, verheerende Ausbrüche in Südasien. Die Bedingungen für eine größere Epidemie verschlechtern sich. Und trotz aller Lehren aus Covid sind die Vorbereitungen nach wie vor dünn.
Als Covid-19 die Welt traf, gab es keinen Impfstoff, keine Behandlung und keine funktionsfähige globale Vorsorgeinfrastruktur. Fünf Jahre später wurden mRNA-Impfplattformen in beispielloser Geschwindigkeit entwickelt und eingesetzt, Überwachungsnetzwerke ausgebaut und Pandemiegesetzgebungen in Dutzenden von Ländern überarbeitet. Ein Kommentar in Science stellt nun die Frage, ob dieser hart erkämpfte Fortschritt auch für den nächsten potenziellen Erreger gilt – und ob Nipah dieser Erreger sein könnte.
Nipah ist ein Paramyxovirus, das hauptsächlich durch Flughunde und gelegentlich über Schweine oder Mensch-zu-Mensch-Kontakt übertragen wird. Die Sterblichkeitsrate liegt je nach Ausbruch und verfügbarer Versorgungsqualität zwischen 40 und 75 Prozent. Das Virus verursacht Enzephalitis und Lungenversagen; bei Überlebenden ist mitunter ein langwieriges neurologisches Syndrom zu beobachten. Ausbrüche gab es in Malaysia, Bangladesch und Indien. Jedes Mal wurden sie eingedämmt – aber nicht immer, weil dem Virus die Fähigkeit zur weiteren Ausbreitung fehlte.
Warum die Entwarnung nicht vollständig gilt
Die gängige Beruhigung, Nipah breite sich nicht leicht von Mensch zu Mensch aus, ist teilweise zutreffend, aber möglicherweise irreführend. In Bangladesch wurden mehrere Mensch-zu-Mensch-Übertragungen dokumentiert. Viren entwickeln sich weiter. Eine moderate Zunahme der Übertragbarkeit, kombiniert mit einer Sterblichkeitsrate, die zehn- bis fünfzehnmal höher liegt als die von Covid-19, würde ein Epidemieszenario erzeugen, das alles in der jüngeren Geschichte Bekannte in den Schatten stellen würde.
Auch die Bedingungen, die größere Ausbrüche begünstigen, verschlechtern sich zusehends. Die Entwaldung in Süd- und Südostasien drängt Flughundpopulationen immer näher an menschliche Siedlungen heran. Die Intensivierung der Landwirtschaft – Schweine, Früchte und Menschen in enger Nachbarschaft – erhöht die Wahrscheinlichkeit eines artenübergreifenden Übersprungs. Und die globale Vernetzung, die Covid so rasch zur Pandemie werden ließ, besteht unverändert fort.
Was bereit ist – und was nicht
Kein Nipah-Impfstoff ist bislang für den menschlichen Gebrauch zugelassen, auch wenn Impfstoffkandidaten frühe klinische Studien erreicht haben. Antivirale Behandlungen stehen außerhalb experimenteller Umgebungen nicht zur Verfügung. Die Diagnostik hat sich verbessert, doch die Kapazitäten konzentrieren sich auf einkommensstarke Länder – nicht auf die südasiatischen Regionen, in denen Nipah am wahrscheinlichsten auftritt. Bangladesch und Indien haben durch schmerzliche Erfahrungen gewisse Überwachungskapazitäten aufgebaut, doch internationale Koordination und Bevorratung bleiben minimal.
Was Covid zu enormen Kosten gezeigt hat: Vorsorge vor einem Ausbruch ist exponentiell günstiger als die Reaktion danach. Ob diese Erkenntnis in politischen Willen und nachhaltige Investitionen für einen Erreger wie Nipah umgemünzt wurde, ist die zentrale Frage des Artikels. Eine beruhigende Antwort darauf liefert er nicht.