Was macht schlechte Luftqualität oder Feinstaub langfristig mit deinem Gedächtnis?
Schlechte Luftqualität, vor allem Feinstaub, hängt konsistent mit schwächeren kognitiven Leistungen und möglicherweise beschleunigtem Gedächtnisabbau zusammen. Wie viel du selbst dagegen tun kannst, hängt stark davon ab, wo du lebst – für Menschen mit genetischer Alzheimer-Veranlagung ist das jedoch ein zusätzlicher Grund, die Belastung so weit wie möglich zu reduzieren.
Feinstaub (PM2.5, Partikel kleiner als 2,5 Mikrometer) hängt mit messbar schlechteren kognitiven Leistungen zusammen – bei Menschen mittleren Alters ebenso wie bei Älteren. In einer großen französischen Studie mit über 61.000 Teilnehmenden schnitten diejenigen, die mehr Feinstaub einatmeten, bei Wortflüssigkeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit um knapp 5 % schlechter ab. Dieser Zusammenhang zeigte sich bereits bei vergleichsweise niedrigen Belastungswerten, und mit zunehmender Verschmutzung verschlechterten sich die Ergebnisse weiter. Stickstoffdioxid (NO2) und Rußpartikel wiesen ähnliche Muster auf.
Ob Feinstaub den geistigen Abbau über die Zeit beschleunigt, ist weniger eindeutig. In einer französischen Kohortenstudie mit 6.380 älteren Menschen war eine höhere häusliche Feinstaubbelastung leicht mit einem schnelleren Rückgang des allgemeinen Gedächtnisses verbunden. Eine US-amerikanische Studie an Personen über 75 fand hingegen keinen nachweisbaren Effekt auf das Abbautempo – obwohl stärker belastete Teilnehmende bereits zu Studienbeginn schlechter abschnitten. Eine dritte Studie bei älteren Frauen stellte einen beschleunigten Gedächtnisrückgang fest, allerdings nur bei Frauen unter 80, die ohnehin schon langsam abgebaut hatten. Die drei Studien widersprechen sich nicht grundsätzlich, zeichnen aber auch kein einheitliches Bild.
Bestimmte Gruppen scheinen besonders gefährdet zu sein. Menschen mit einem frühen Alzheimer-Stadium und der genetischen Risikovariante APOE-ε4 zeigten bei höherer Feinstaubbelastung einen schnelleren Rückgang des räumlichen Denkens als Personen ohne diesen Risikofaktor. Schwefeldioxid (SO2) war in einer koreanischen Studie bei Menschen mit leichten kognitiven Störungen oder früher Alzheimer-Erkrankung mit einem schnelleren Gedächtnisabbau verbunden; Kohlenmonoxid, NO2 und gröbere Staubpartikel ließen diesen Zusammenhang nicht erkennen.
Auch die Befunde für Kinder sind besorgniserregend. Eine Übersichtsarbeit aus 26 Studien zeigte durchgehend negative Zusammenhänge zwischen Luftverschmutzung und kognitiver Entwicklung. Feinstaub hing mit Problemen im Arbeitsgedächtnis und bei der Aufmerksamkeit zusammen, Rußpartikel mit niedrigeren verbalen und nonverbalen Intelligenztestwerten. Schadstoffbelastung vor der Geburt war mit niedrigeren Intelligenzwerten bei Kindern verknüpft. Hirnscans zeigten bei stark belasteten Kindern Veränderungen in der weißen Substanz – dem Leitungsnetz des Gehirns –, was darauf hindeutet, dass die Hirnentwicklung tatsächlich beeinflusst wird. Bei alledem handelt es sich um Beobachtungsdaten; ein ursächlicher Zusammenhang ist damit nicht bewiesen.
Alle Aussagen beruhen auf Beobachtungsstudien (Kohortenstudien und einem systematischen Review); keine randomisierten kontrollierten Studien. Kausalität ist nicht belegt. Die Studien wurden in Frankreich, den USA und Südkorea an unterschiedlichen Altersgruppen durchgeführt. Die Effektgrößen sind klein bis moderat.