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Negative Emotionen kapern die Lebensmittelwahl bei Bulimie

Redaktion LongevityWatch · 5. Oktober 2026 · 2 min · English

Menschen mit Bulimia nervosa reagieren auf negative Gefühle anders als Menschen ohne Essstörung. Das zeigt sich darin, wie schnell und wie stark der Geschmack die Lebensmittelauswahl bestimmt. Eine neue Studie kartiert den Entscheidungsprozess genau in dem Moment, in dem er entgleist.

Bulimia nervosa ist eine Essstörung, die durch Zyklen von Fressanfällen im Wechsel mit Restriktion gekennzeichnet ist. Was genau den Übergang von Kontrolle zu Kontrollverlust auslöst, war bislang unklar. Die Forschenden ließen 25 Frauen mit Bulimie und 21 gesunde Frauen zwei Sitzungen absolvieren: eine in neutraler Stimmung und eine nach einer gezielten Negativstimmungs-Induktion. Anschließend wählten die Teilnehmerinnen zwischen verschiedenen Lebensmitteln, während ein Rechenmodell ihren Entscheidungsprozess aufzeichnete.

Das Modell – ein zeitvariantes Diffusions-Entscheidungsmodell – maß, wie schnell und wie stark der Geschmack im Verhältnis zur Gesundheitlichkeit in jede Entscheidung einfloß. In negativer Stimmung gewichteten beide Gruppen den Geschmack früher, doch der Effekt war bei den Frauen mit Bulimie ausgeprägter. Darüber hinaus war eine stärkere Verschiebung im Labor mit häufigeren subjektiven Fressanfällen drei Monate später verbunden. Die in eLife veröffentlichte Studie basiert auf einer kleinen Stichprobe und Laborbeoabachtungen; die Befunde sind als vorläufig einzustufen.

Altern und Essverhalten: ein indirekter Zusammenhang

Bulimie ist indirekt mit dem Altern verknüpft. Chronische Fressanfälle gehen mit metabolischer Dysregulation, Entzündungen und erhöhtem oxidativem Stress einher. Diese Prozesse beschleunigen das biologische Altern. Aus Sicht der Longevity-Forschung ist es bedeutsam zu verstehen, warum Emotionen das Essverhalten so stark beeinflussen – wer diesen Mechanismus kennt, kann gezieltere Interventionen entwickeln.

Der Mechanismus hinter dem Kontrollverlust

Die Studie liefert das erste quantitative Bild des Entscheidungsprozesses selbst. Es geht nicht nur darum, was jemand wählt, sondern wann und wie stark Geschmacksinformationen in den Auswahlprozess einfließen. Bei Frauen mit Bulimie geschah dies unter negativer Stimmung früher und zwingender. In neutraler Stimmung wendeten sie tatsächlich ein restriktiveres Muster an – was die Schwankungen im Essverhalten erklärt, die das Störungsbild prägen.

Ob ähnliche Mechanismen langfristig auch bei Menschen ohne Essstörung zu ungesundem Essen beitragen, ist eine Frage, die diese Forschung aufwirft, aber noch nicht beantwortet.

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Suchbegriffe zur Vertiefung: diffusion decision model food choice | affect-induced eating behaviour bulimia | emotion regulation binge eating

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