Schlechter Schlaf korreliert mit Alterung, verursacht sie aber möglicherweise nicht
Schlechte Schlafqualität ist eng mit einer beschleunigten biologischen Alterung verknüpft. Doch treibt schlechter Schlaf diese Beschleunigung tatsächlich voran? Eine groß angelegte Studie mit mehr als 64.000 Erwachsenen liefert eine komplexere Antwort als erwartet.
Die Annahme, dass chronisch schlechter Schlaf den Alterungsprozess antreibt, hat eine ganze Industrie rund um Schlafoptimierungsprodukte hervorgebracht. Doch die Forschenden, die mit fünf unabhängigen Datensätzen arbeiteten, stellten fest, dass das Bild erheblich vielschichtiger ist.
Die Studie bestätigte eine robuste Korrelation zwischen schlechtem Schlaf und einem höheren biologischen Alter, gemessen anhand mehrerer Alterungsuhren (Biomarker, die schätzen, wie schnell der Körper einer Person altert). Diese Korrelation zeigte sich bei jungen Erwachsenen, Menschen mittleren Alters und älteren Personen gleichermaßen. Sie blieb auch nach Berücksichtigung der Belastung durch chronische Erkrankungen bestehen.
Zwillingsdaten verkomplizieren das Bild
Als die Forschenden jedoch gezielt Zwillingspaare betrachteten, verschwand der Zusammenhang weitgehend. Zwillinge teilen genetische Grundlagen und frühe Umwelteinflüsse. Dass die Korrelation beim Kontrollieren dieser gemeinsamen Faktoren schwindet, deutet darauf hin, dass Gene oder frühkindliche Umstände sowohl schlechten Schlaf als auch eine beschleunigte Alterung unabhängig voneinander begünstigen könnten, ohne dass das eine das andere direkt verursacht.
Das Team prüfte Kausalität außerdem mithilfe der Mendelschen Randomisierung, einer Methode, die genetische Varianten als natürliches Experiment nutzt, um kausale Zusammenhänge zu untersuchen. Die Ergebnisse waren gemischt: Einige Analysen wiesen auf einen kausalen Effekt von schlechtem Schlaf auf beschleunigte Alterung hin, andere nicht.
Folge des Alterns?
Die Autoren vermuten, dass schlechter Schlaf bei älteren Erwachsenen überwiegend eine Folge des Alterns ist und nicht dessen Ursache. Alternde Gehirne und Organe funktionieren anders, was den Schlaf stören kann. Der in Bevölkerungsdaten beobachtete Zusammenhang könnte daher die umgekehrte Wirkrichtung widerspiegeln: Das Altern verschlechtert den Schlaf, nicht umgekehrt.
Aus der Perspektive der Langlebigkeitsforschung ist das bedeutsam. Schlaf wird weithin als eine veränderbare Stellschraube zur Verlängerung der gesunden Lebensspanne beworben. Diese Studie stellt die Bedeutung von Schlaf für die Gesundheit nicht infrage, legt aber nahe, dass die konkrete Behauptung, besserer Schlaf verlangsame die biologische Alterung, durch die vorliegenden Belege nicht durchgehend gestützt wird.
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