Sozioökonomischer Status sagt kaum etwas über deine individuelle Lebenserwartung aus
Einkommen, Bildung und Familienstand erklären zusammen weniger als zwei Prozent der individuellen Variation in der Lebensdauer. Das ist das überraschende Ergebnis einer amerikanischen Studie mit 121.000 Männern.
Dass es große durchschnittliche Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen gesellschaftlichen Gruppen gibt, ist seit Langem bekannt: Reiche leben länger als Arme, besser Gebildete länger als schlechter Gebildete. Doch die Studie zeigt, dass diese Gruppenunterschiede kaum Aufschluss darüber geben, wie lange ein einzelner Mensch tatsächlich leben wird. Die Forscher werteten amerikanische Volkszählungsdaten aus, die mit Sterberegistern verknüpft wurden – für eine Kohorte von Männern des Jahrgangs 1910, die bis zu ihrem Tod zwischen 1975 und 2005 beobachtet wurden.
Der Befund ist bemerkenswert: Soziodemografische Merkmale, die im frühen Erwachsenenalter erhoben wurden – darunter Einkommen, Bildungsgrad, Ethnie und Familienstand – erklären weniger als zwei Prozent der Variation in der individuellen Lebensdauer. Die Forscher schlussfolgern, dass Lebensdauer im Kern nicht deterministisch ist: Der weitaus größte Teil der Unterschiede zwischen Menschen bleibt durch große strukturelle Faktoren unerklärt.
Was das nicht bedeutet
Das heißt nicht, dass Ungleichheit keine Rolle spielt. Auf Gruppenebene sind die Unterschiede real und erheblich – und sie haben gesellschaftliche Ursachen. Für das Individuum aber gilt: Die Lotterie aus Genen, Lebensstilentscheidungen und Zufällen spielt eine weitaus größere Rolle als die sozioökonomische Stellung. Die Forscher weisen darauf hin, dass dieser Befund mit früheren Tierstudien übereinstimmt, in denen Lebensstil und körperliche Fitness als die wichtigsten individuellen Prädiktoren für Sterblichkeit hervortraten.
Was das für gesundes Altern bedeutet
Aus der Perspektive der Longevity-Forschung ist das in zweifacher Hinsicht aufschlussreich. Einerseits bestätigt es, dass individuelle Lebensstilentscheidungen – und künftig möglicherweise auch biomedizinische Interventionen – stärker ins Gewicht fallen als soziale Umstände allein. Andererseits verdeutlicht es, wie schwer es ist, die individuelle Lebensdauer vorherzusagen, selbst wenn gute Daten vorliegen. Die Ergebnisse gelten spezifisch für diese Kohorte amerikanischer Männer aus jener Epoche und lassen sich möglicherweise nicht ohne Weiteres verallgemeinern.
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