Stammzelltherapie: vielversprechend, aber inkonsistent
Stammzelltherapien werden weltweit angeboten, auch in Kliniken mit kaum vorhandener Aufsicht. Sie können chronische Entzündungen vorübergehend dämpfen. Verlässliche, reproduzierbare Ergebnisse bleiben jedoch die Ausnahme.
Stammzellen sind spezialisierungsfreie Zellen, die sich zu verschiedenen Gewebetypen entwickeln können. In der regenerativen Medizin ist das Ziel, geschädigtes und gealtertes Gewebe mithilfe von Infusionen oder Injektionen solcher Zellen zu reparieren oder zu ersetzen. Die Forschenden skizzieren den aktuellen Stand des Feldes in einem in Biomedicines erschienenen Übersichtsartikel: Stammzelltherapie kann die mit dem Altern verbundene, dauerhaft schwelende Entzündung bei manchen Patienten reduzieren, doch halten die Effekte typischerweise nur wenige Monate an und fallen von Person zu Person sehr unterschiedlich aus.
Ein grundlegendes Problem liegt darin, dass Zellen empfindlich auf kleinste Unterschiede in ihrer Kultivierung reagieren. Schon geringe Abweichungen in den Bedingungen verändern ihr Verhalten. Hinzu kommt: Werden Zellen zu lange kultiviert, können sie Merkmale der Seneszenz entwickeln, eines Zustands, in dem Zellen aufhören sich zu teilen und Signalstoffe ausschütten, die das umliegende Gewebe schädigen. In einer Therapie, die verjüngen soll, sind solche gealterten Zellen kontraproduktiv.
Ein tiefer Graben zwischen Kliniken und Ländern
Der Übersichtsartikel unterscheidet zwei Welten. In regulierten Gesundheitssystemen, etwa in Europa und den Vereinigten Staaten, ist nur eine begrenzte Zahl von Stammzelltherapien offiziell zugelassen. Außerhalb dieser Systeme bietet der Medizintourismus eine breite Palette von Behandlungen an, bei denen Qualitätskontrolle und einheitliche Protokolle weitgehend fehlen. Ergebnisse sind daher kaum vergleichbar und häufig unzuverlässig.
Die Autoren beleuchten ein breites Spektrum untersuchter Erkrankungen, von neurologischen und kardiovaskulären Leiden über Augenerkrankungen und Gelenkprobleme bis hin zu Krebs. Für die meisten Anwendungsgebiete bleiben die Ergebnisse klinischer Studien widersprüchlich und die Reproduzierbarkeit unzureichend.
Was Fortschritt voraussetzt
Als erste Voraussetzung nennen die Autoren die Vereinheitlichung der Protokolle zur Zellkultivierung. Ebenso notwendig ist eine bessere Methode, um zu verfolgen, wie weit Zellen vor der Verabreichung bereits gealtert sind. Solange solche Standards fehlen, bleibt die Kluft zwischen dem Versprechen der Stammzelltherapie und der klinischen Realität groß. Wer eine solche Behandlung in Betracht zieht, tut gut daran, die wissenschaftliche Evidenz kritisch zu hinterfragen.
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