Stammzelltherapien wirken über Signale, nicht über Einnistung
Stammzelltherapien sind heute weit verbreitet, funktionieren aber anders als ursprünglich angenommen. Transplantierte Zellen setzen sich selten dauerhaft fest. Stattdessen senden sie kurzlebige Signale, die körpereigene Zellen aktivieren.
Lange galt die Annahme, dass transplantierte Stammzellen sich in geschädigtem Gewebe ansiedeln, zu neuen Zellen heranreifen und die Reparatur von innen antreiben. Dieses Bild hat sich als weitgehend falsch erwiesen. In der Praxis überleben injizierte Zellen oft nur kurz. Dennoch zeigen manche Therapien Wirkung: Sie unterdrücken chronische Entzündungen über Monate hinweg. Wie lässt sich das erklären?
Die Antwort liegt in der sogenannten parakrinen Signalübertragung: Während der kurzen Zeit, in der sie überleben, setzen transplantierte Zellen eine Reihe biologisch aktiver Moleküle frei – darunter Wachstumsfaktoren, entzündungshemmende Substanzen und kleine, mit genetischem Material gefüllte Bläschen (extrazelluläre Vesikel). Diese Stoffe verändern das Verhalten körpereigener Zellen im umliegenden Gewebe. Die Forschenden beschreiben dies in einem Übersichtsartikel, der im Fachjournal Science Bulletin erschienen ist.
Große Unterschiede in den Ergebnissen
Die im klinischen Alltag am häufigsten eingesetzten Stammzellen sind mesenchymale Stammzellen (MSCs), gewonnen aus Knochenmark, Fettgewebe oder Nabelschnurblut. Sie lassen sich vergleichsweise einfach kultivieren und haben sich als sicher erwiesen. Die klinischen Ergebnisse schwanken jedoch erheblich. Manche Patientinnen und Patienten profitieren deutlich, andere kaum. Diese Schwankungen hängen davon ab, wie die Zellen hergestellt werden, von welcher Spenderperson sie stammen und welches Krankheitsumfeld im Körper der empfangenden Person herrscht.
Diese Variabilität ist eines der größten Hindernisse für eine breitere Anwendung. Der Übersichtsartikel plädiert für einen strategischen Kurswechsel im Feld: weg vom Transplantieren von Zellen, hin zur direkten Herstellung von Sekretomen – also der Gesamtheit der von Zellen ausgeschütteten Substanzen – oder extrazellulären Vesikeln, ganz ohne den Einsatz lebender Zellen. Das könnte die therapeutischen Effekte reproduzierbarer machen.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Wer heute eine Stammzelltherapie in Betracht zieht, findet ein differenziertes Bild vor. Bei bestimmten Indikationen – etwa der Dämpfung chronischer Entzündungen bei bestimmten Autoimmunerkrankungen – sind die Ergebnisse vergleichsweise konsistent. Bei der Organregeneration oder bei spezifischen degenerativen Erkrankungen ist der Ausgang weit weniger vorhersehbar. Das Feld bewegt sich in Richtung zellfreier Therapien, die auf den Wirkstoffen basieren, welche Zellen produzieren. Das ist ein vielversprechender Weg – in der klinischen Praxis aber noch nicht breit verfügbar.
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