Wirkweise eines Leberpräparats endlich entschlüsselt
Eines der meistgenutzten Leberpräparate Chinas ist seit Jahrzehnten klinisch zugelassen, doch sein Wirkmechanismus blieb stets ungeklärt. Neue Forschungsergebnisse identifizieren das molekulare Ziel und ebnen den Weg zu gezielteren Therapien der alkoholbedingten Lebererkrankung.
Magnesium isoglycyrrhizinate (eine aus der Süßholzwurzel gewonnene Verbindung, die in China als Leberpräparat zugelassen ist) zeigt seit Langem therapeutische Wirkungen, ohne dass ein gut charakterisierter Mechanismus bekannt war. Die Forschenden, die ihre Ergebnisse in eLife veröffentlichten, identifizierten HSD11B1 als direktes molekulares Ziel der Verbindung.
HSD11B1 ist ein Leber-Enzym, das an der Regulation von Stresshormonen wie Kortisol beteiligt ist. Die Forschenden stellten fest, dass die Verbindung direkt an dieses Enzym bindet, und zwar an einer spezifischen Stelle seiner Struktur. Sie bestätigten dies mithilfe von RNA-Sequenzierung (einer Methode, die zeigt, welche Gene in einer Zelle aktiv sind), molekularem Docking sowie direkten Bindungsassays.
Nachgelagerte Effekte: weniger Fettansammlung und Entzündung
Durch die Bindung an HSD11B1 beeinflusst die Verbindung eine Signalkette, die die Fettansammlung in Leberzellen verringert, Entzündungen hemmt und die Zellsterblichkeitsrate senkt. Bei Mäusen, die chronisch Alkohol ausgesetzt waren, reduzierte die Behandlung mit Magnesium isoglycyrrhizinate den Leberschaden sichtbar: Die Gewebearchitektur verbesserte sich, das Verhältnis von Leber- zu Körpergewicht normalisierte sich, und Entzündungsmarker gingen zurück.
Ein Gen namens IDI1 erwies sich als entscheidendes nachgelagertes Bindeglied zwischen der Enzymhemmung und den schützenden Effekten auf die Leberzellen.
Bezug zum Altern
Die alkoholbedingte Lebererkrankung ist kein klassisches Thema der Langlebigkeitsforschung, doch der Zusammenhang besteht. Fehlfunktionen der Leber nehmen mit dem Alter deutlich zu und sind mit systemischen Entzündungen sowie beschleunigtem biologischem Altern verbunden. HSD11B1 ist zudem an der Kortisol-Regulation beteiligt, und eine gestörte Kortisol-Regulation bei älteren Erwachsenen wurde mit Stoffwechselerkrankungen und kognitivem Abbau in Verbindung gebracht.
Die Studie identifiziert ein neues therapeutisches Ziel bei Lebererkrankungen. Ob es auch bei altersbedingten Leberfehlfunktionen außerhalb des Alkoholkonsums eine Rolle spielt, muss die weitere Forschung klären.
Selbst recherchieren?
Zum Beispiel suchen nach:
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