Alternde Zellen als Bindeglied zwischen Lungenerkrankungen und metabolischem Verfall
Chronische Lungenerkrankungen und Stoffwechselkrankheiten wie Typ-2-Diabetes scheinen nichts miteinander zu tun zu haben. Doch alternde Zellen, die sich in Lungen und Fettgewebe ansammeln, könnten hinter beiden stecken.
Mit zunehmendem Alter häufen sich geschädigte Zellen in Geweben des gesamten Körpers an. Diese sogenannten seneszenten Zellen stellen ihre Teilung ein, sterben aber nicht ab. Stattdessen schütten sie einen Cocktail aus entzündlichen und pro-fibrotischen Signalstoffen aus, der das umliegende Gewebe schädigt. Die Forschenden beschreiben, wie dieser Mechanismus als gemeinsames biologisches Bindeglied zwischen chronischen Lungenerkrankungen und Stoffwechselstörungen wie Adipositas und Typ-2-Diabetes fungieren könnte.
Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und idiopathische Lungenfibrose nehmen beide mit dem Alter deutlich zu. Dasselbe gilt für Adipositas und Typ-2-Diabetes. Zudem treten diese Erkrankungen häufiger gemeinsam auf, als der Zufall es erwarten ließe. Die Hypothese lautet, dass seneszente Zellen in beiden Fällen eine zentrale Rolle spielen: Durch anhaltende Entzündung und narbenfördernde Signale (Fibrose) halten sie einen sich selbst verstärkenden Kreislauf der Gewebeschädigung aufrecht.
Alternde Zellen gezielt beseitigen
Therapien, die seneszente Zellen selektiv eliminieren, werden als Senolytika bezeichnet. In Tiermodellen zeigen sie vielversprechende Ergebnisse gegen Lungenfibrose. Eine kleine klinische Studie mit Patientinnen und Patienten mit idiopathischer Lungenfibrose lieferte ebenfalls ermutigende Signale, doch Folgestudien blieben weitgehend aus. Der Grund dafür ist vor allem wirtschaftlicher Natur: Günstige oder als Generika verfügbare Wirkstoffe lassen sich kaum für die Finanzierung großer klinischer Studien nutzbar machen.
Neben eigens entwickelten Senolytika weisen die Autoren auch auf bereits zugelassene Medikamente gegen Typ-2-Diabetes hin, die die Ansammlung seneszenter Zellen offenbar als Nebeneffekt verringern. Ob dies zu ihren organschützenden Eigenschaften beiträgt, ist noch nicht abschließend geklärt.
Ein gemeinsamer biologischer Nenner
Die weitreichendere Schlussfolgerung lautet, dass zelluläre Seneszenz ein gemeinsamer biologischer Nenner für Krankheiten sein könnte, die üblicherweise getrennt voneinander behandelt werden. Menschen, die im Alter sowohl mit Adipositas als auch mit Lungenproblemen zu kämpfen haben, tragen möglicherweise gleichzeitig in mehreren Geweben eine höhere Last seneszenter Zellen. Wer an diesem zugrundeliegenden Mechanismus ansetzt, könnte theoretisch mehrere Erkrankungen auf einmal bekämpfen. Die klinische Evidenz ist jedoch noch begrenzt, und die Autoren benennen klar, was nach wie vor ungeklärt ist.
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