Alterung schwächt die Immunabwehr gegen seneszente Zellen
Seneszente Zellen häufen sich mit dem Alter an – das ist bekannt. Warum das Immunsystem sie jedoch zunehmend schlechter beseitigt, blieb lange unklar. Eine neue Studie in Nature Aging liefert eine Antwort.
Seneszente Zellen hören auf, sich zu teilen, sterben aber nicht auf normalem Weg ab. Sie verbleiben im Gewebe und setzen Substanzen frei, die chronische Entzündungen fördern. Immunzellen – insbesondere Makrophagen (eine Art von Immunzellen) – sind eigentlich dafür zuständig, diese Zellen zu beseitigen. Im Alter gelingt ihnen das immer schlechter.
Die Forschenden stellten fest, dass ein bestimmter zelleigener Reinigungsprozess in den Makrophagen selbst mit dem Alter nachlässt: die Chaperon-vermittelte Autophagie – jener Mechanismus, durch den Zellen beschädigte Proteine abbauen und wiederverwerten. Wenn dieser Prozess ins Stocken gerät, verändern sich auch die seneszenten Zellen, die Makrophagen eigentlich beseitigen sollen, in ihrer Zusammensetzung. Sie werden schwerer erkennbar und lassen sich schlechter entfernen.
Ein sich selbst verstärkender Kreislauf im Alter
Daraus entsteht ein sich gegenseitig verstärkendes Problem. Je weniger die Makrophagen ihren eigenen internen Recyclingprozess aufrechterhalten können, desto mehr häufen sich seneszente Zellen an. Diese Anhäufung befeuert chronische Entzündungen – die ihrerseits die Zellfunktion beeinträchtigen, einschließlich der Makrophagen selbst.
Die Forschenden gingen noch einen Schritt weiter: Sie zeigten, dass eine Wiederherstellung der Chaperon-vermittelten Autophagie in Makrophagen deren Fähigkeit verbesserte, seneszente Zellen zu beseitigen. In Labormodellen führte dies zu einer geringeren Anreicherung dieser Zellen. Es handelt sich dabei um vorläufige Befunde aus Zellmodellen und Mäuseversuchen – keine klinische Evidenz aus Humanstudien.
Immunfunktion als Hebel für alterndes Gewebe
Die in Nature Aging veröffentlichte Studie lenkt den Blick weg von der seneszenten Zelle selbst hin zu der Zelle, die für deren Beseitigung verantwortlich ist. Das ist ein anderer Ansatz als in den meisten Arbeiten dieses Feldes, die darauf abzielen, seneszente Zellen direkt zu zerstören. Hier besteht das Ziel darin, das körpereigene Reinigungssystem zu stärken. Aus Sicht der Longevity-Forschung ist das bedeutsam: Es deutet darauf hin, dass der Rückgang der Immunfunktion im Alter nicht nur eine Folgeerscheinung ist, sondern möglicherweise ein spezifischer und beeinflussbarer Mechanismus.
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