Ein Langlebigkeitsgen bei Fliegen wirkt teilweise über Darmbakterien
Ein Gen, das seit Jahrzehnten mit einer längeren Lebensspanne bei Fruchtfliegen in Verbindung gebracht wird, scheint teilweise über die Darmbakterien der Tiere zu wirken. Neue Forschungsergebnisse zum INDY-Gen fügen dem wachsenden Bild, wie tief das Mikrobiom mit dem Alterungsprozess verwoben ist, ein weiteres Puzzlestück hinzu.
INDY steht für ‘I’m Not Dead Yet’ – ein Name, der die ursprüngliche Entdeckung dahinter widerspiegelt. Mutationen in diesem Gen verlängern die Lebensspanne der Fruchtfliege Drosophila melanogaster erheblich, und verwandte Gene wurden in anderen Organismen gefunden, darunter auch beim Menschen. INDY kodiert ein Transportprotein, das an der Aufnahme bestimmter Metaboliten in Zellen beteiligt ist, darunter Citrat, ein Zwischenprodukt des Energiestoffwechsels. Eine reduzierte INDY-Aktivität ahmt in gewisser Hinsicht die Auswirkungen einer Kalorienrestriktion nach, der wirksamsten bekannten Maßnahme zur Verlängerung der Lebensspanne.
Doch wie beeinflusst INDY die Lebensspanne genau? Forschende haben nun ein neues Puzzlestück identifiziert: das Darmmikrobiom. Fliegen mit verringerter INDY-Funktion weisen eine andere Zusammensetzung der Darmbakterien auf als Fliegen mit normaler INDY-Funktion. Und diese Mikrobiomzusammensetzung scheint zur Verlängerung der Lebensspanne beizutragen.
Darmgesundheit und Altern: eine bekannte, aber komplexe Beziehung
Bei Fruchtfliegen ist die Darmfunktion ein besonders entscheidender Faktor beim Altern. Das Darmsystem der Fliege altert vergleichsweise schnell, und der Zustand des Darms – wie gut seine Barrierefunktion aufrechterhalten wird, wie die bakterielle Zusammensetzung aussieht – korreliert stark damit, wie lange das Tier lebt. Das macht die Fliege zu einem empfindlichen Modell für die Untersuchung solcher Zusammenhänge.
Die neuen Ergebnisse sind ein erster Schritt, wie die Autoren selbst einräumen. Das Fruchtfliegenmikrobiom ist weit weniger komplex als das von Säugetieren, und welche spezifischen Bakterien oder Metaboliten für den Effekt verantwortlich sind, ist noch nicht geklärt. Auch die Kausalitätsrichtung ist nicht vollständig klar: Verändert sich das Mikrobiom infolge der INDY-Suppression, und verlängert diese Veränderung die Lebensspanne? Oder gibt es parallele Effekte? Und inwieweit sind diese Zusammenhänge für Säugetiere und Menschen relevant?
Diese letzte Frage lässt sich nicht leicht beantworten, doch die Relevanz ist nicht rein theoretischer Natur. Ein menschliches Homolog von INDY existiert, und es gab bereits Versuche, es als Angriffspunkt für die Behandlung von Stoffwechselerkrankungen zu nutzen. Sollte die Rolle des Mikrobioms in diesem Signalweg auch beim Menschen zutreffen – was noch zu zeigen bleibt – würde dies das Arsenal möglicher Langlebigkeitsinterventionen auf eine Weise erweitern, die zumindest im Prinzip zugänglich ist.