Eine Fettsäure in der Muttermilch prägt die Immunabwehr von Säuglingen
Was eine Mutter isst, beeinflusst das Immunsystem ihres Neugeborenen. Diese Erkenntnis ist nicht neu – doch eine Studie in Science rückt nun eine ganz bestimmte Fettsäure als Schlüsselmolekül dieses Prozesses in den Mittelpunkt.
Trans-Vaccensäure ist eine Fettsäure, die natürlicherweise in Milchprodukten und Fleisch von Wiederkäuern wie Rindern und Schafen vorkommt. Sie unterscheidet sich strukturell von den industriellen Transfetten, die als gesundheitsschädlich gelten. Die Studie, veröffentlicht in Science, untersuchte, was diese Fettsäure bewirkt, wenn sie von der Mutter auf das Neugeborene übertragen wird.
Die Experimente zeigen, dass Trans-Vaccensäure die Entwicklung von T-Zellen bei Neugeborenen beeinflusst. T-Zellen sind eine Art weißer Blutkörperchen, die eine zentrale Rolle in der Immunabwehr spielen. Wie das Immunsystem in den ersten Lebenswochen konfiguriert wird, kann langfristige Folgen haben – ein Vorgang, der als frühkindliches Immun-Imprinting bezeichnet wird.
Mütterliche Ernährung als biologisches Signal
Die Forschungsergebnisse zeigen, dass die Nährstoffe, die eine Mutter zu sich nimmt, für ihr Kind keineswegs neutral sind. Sie können die biologische Konfiguration des kindlichen Immunsystems aktiv mitgestalten. Trans-Vaccensäure scheint dabei eine spezifische Rolle zu spielen, wenngleich die genauen Mechanismen noch untersucht werden.
Die Befunde sind für die Forschung zum Zusammenhang zwischen frühkindlicher Ernährung und Immungesundheit im späteren Leben von Bedeutung. Ein gut konfiguriertes Immunsystem gilt als wichtiger Faktor für gesundes Altern. Chronische Niedriggradige Entzündung (Inflammaging) nimmt mit dem Alter zu und ist mit einer Reihe altersbedingter Erkrankungen assoziiert.
Was die Studie noch nicht belegt
Die Studie wurde überwiegend an Tiermodellen durchgeführt. Ob Trans-Vaccensäure beim Menschen dieselbe Rolle spielt und über welchen genauen Mechanismus, muss noch geklärt werden. Die Forschenden legen nahe, dass diese Fettsäure zu einer gesunden Immunentwicklung bei Neugeborenen beitragen könnte – doch das bleibt vorläufig. Die Ergebnisse weisen auf eine vielversprechende Forschungsrichtung hin. Klinische Empfehlungen lassen sich daraus noch nicht ableiten.