Entkommene DNA in Zellen befeuert altersbedingte Entzündung
Mit zunehmendem Alter gelangt immer mehr körpereigene DNA an die falsche Stelle in unseren Zellen. Das Immunsystem wertet das als Angriff – und reagiert entsprechend.
DNA und RNA gehören in den Zellkern und in die Mitochondrien. Doch mit dem Alter entweichen Fragmente dieses genetischen Materials in das flüssigkeitsgefüllte Innere der Zelle, das Zytoplasma. Die Forschenden erklären, wie dieses fehlgeleitete Material eine Immunreaktion auslöst. Zellen besitzen Erkennungssysteme, die auf virale und bakterielle DNA ausgelegt sind. Diese Systeme können jedoch nicht zwischen echtem Erregermaterial und den eigenen entkommenen Nukleinsäuren der Zelle – dem Oberbegriff für DNA und RNA – unterscheiden. Die Folge ist eine anhaltende, unterschwellige Entzündung.
Diese chronische Entzündung ist in der Fachliteratur weithin als Inflammaging bekannt, ein Kunstwort aus den englischen Begriffen „inflammation" und „aging". Sie gilt inzwischen als etabliertes Merkmal des biologischen Alterns. Was diese Arbeit hinzufügt, ist ein konkreter Mechanismus, der sie antreibt: die Verlagerung von Nukleinsäuren aus ihrer normalen Position im Zellinneren.
Mitochondriale DNA als Sonderfall
Mitochondrien sind die Energieproduzenten der Zelle. Sie tragen ihr eigenes kleines Genom, ein Überbleibsel ihrer evolutionären Herkunft als eigenständige Bakterien. Wenn mitochondriale DNA ins Zytoplasma austritt, ist das Signal besonders stark. Sie ähnelt bakterieller DNA stärker als Kern-DNA es tut, was die Immunreaktion intensiver ausfallen lässt.
Mögliche therapeutische Ansätze
Wenn das Austreten von Nukleinsäuren eine kontrollierbare Ursache des Inflammaging ist, eröffnet das einen neuen Behandlungsansatz. Die Unversehrtheit von Zellkern und Mitochondrien zu erhalten oder die Erkennungswege, die Fehlalarme erzeugen, zu unterdrücken, werden zu plausiblen Zielstrukturen. Medikamente, die einen solchen Signalweg hemmen – den sogenannten cGAS-STING-Signalweg – werden bereits bei anderen Erkrankungen getestet. Ob sie auch dazu beitragen könnten, das Altern zu verlangsamen, ist eine Frage, die diese Forschung noch drängender macht.