Kann Hitze – zum Beispiel in der Sauna – deine Zellen schädigen oder sie im Gegenteil stärker machen?
Moderate Hitze wie in der Sauna bringt Zellen dazu, sich aktiv zu schützen, und kann sie bei regelmäßiger Anwendung sogar widerstandsfähiger machen; bei extremer Hitze sowie für Schwangere und Personen mit Kinderwunsch ist Vorsicht geboten.
Sobald die Temperatur steigt, schalten Zellen sofort auf Schutzmodus um. Sie produzieren dann vermehrt Hitzeschockproteine, die wie molekulare Begleiter wirken: Sie fangen beschädigte Proteine ab, verhindern, dass diese verklumpen, und helfen der Zelle, ihren normalen Betrieb wiederherzustellen. Dieses Schutzsystem ist evolutionär uralt und funktioniert bei nahezu allen Tieren. Zusätzlich markieren Zellen die am stärksten beschädigten Proteine chemisch, damit diese gezielt abgebaut werden können. Ohne diesen Reparaturmechanismus erholt sich die Zelle nach einem Hitzereiz kaum.
Wer regelmäßig Hitzereizen ausgesetzt ist, kann seine Zellen dadurch auch gegen andere Stressformen widerstandsfähiger machen – nicht nur gegen Hitze selbst. Dieser Effekt wurde beim Training unter warmen Bedingungen beim Menschen und in Tierversuchen nachgewiesen. Ob normaler Saunabesuch denselben Schutz bewirkt, lässt sich aus den vorhandenen Studien noch nicht eindeutig ableiten.
Extreme Hitze ist eine andere Geschichte. Bei einem Hitzschlag wird der Darm nicht mehr ausreichend durchblutet, bakterielle Giftstoffe gelangen ins Blut, und sterbende Zellen senden Alarmsignale aus, die eine schwere systemische Entzündung auslösen. Das kann zum Versagen mehrerer Organe führen. Dieses Risiko ist vom normalen Saunabesuch gesunder Menschen klar zu trennen, zeigt aber, dass Hitze in hohen Dosen echten Schaden anrichten kann.
Bestimmte Risikogruppen verdienen besondere Aufmerksamkeit. Temperaturen oberhalb der normalen Körpertemperatur können die Fruchtbarkeit bei Männern und Frauen beeinträchtigen und die frühe Embryonalentwicklung stören. Assoziative Studien liefern zudem Hinweise, dass Hitzestress in der Schwangerschaft die Gehirnentwicklung des Kindes beeinflussen und das Risiko für psychiatrische Erkrankungen erhöhen könnte – ein Kausalzusammenhang ist allerdings noch nicht belegt. Eine neue Studie an Mäusen und Menschen zeigt außerdem, dass Hitzestress über einen Signalweg aus der Haut dauerhafte Spuren in den Gehirnzellen hinterlassen kann, die den Stoffwechsel steuern, was später zu erhöhter Anfälligkeit für Bauchfett und Stoffwechselprobleme führen könnte. Das ist ein bemerkenswerter Befund aus einer einzelnen Untersuchung, der unbedingt repliziert werden muss, bevor man daraus Schlüsse ziehen darf.
Für alternde Zellen gilt ein eigener Vorbehalt. Zwar aktivieren sie bei Hitzestress die bekannte Schutzantwort, können dadurch aber weniger gut jene normalen Stressstrukturen bilden, auf die Zellen in Belastungssituationen sonst zurückgreifen. Ob das beim Saunabesuch im höheren Alter praktisch relevant ist, lässt sich aus diesen Labordaten nicht ableiten.
Die Aussagen stützen sich auf mehrere Quellen (PMID 20965420, 26845129, 34739326, 23733692, 42019490, 33049246, 30767310, 31299286). Die Evidenzstärke variiert je nach Teilthema erheblich: Der Hitzeschockprotein-Mechanismus ist stark belegt, die übrigen Befunde bewegen sich zwischen mäßiger und begrenzter Evidenz und sind teils rein assoziativ.