Kann Stammzelltherapie ALS bremsen?
Stammzelltherapie ist bei ALS-Patientinnen und -Patienten noch nicht als wirksam belegt. Der Eingriff scheint sicher durchführbar zu sein, doch ob er die Krankheit tatsächlich bremst, weiß derzeit niemand.
In Tierversuchen sieht Stammzelltherapie vielversprechend aus. Bei Mäusen mit einer ALS-ähnlichen Erkrankung verbesserte die Behandlung sowohl das Überleben als auch die Bewegungsfähigkeit. Auffällig dabei: Die Stammzellen siedeln sich kaum im Nervensystem selbst an. Stattdessen scheinen sie auf indirekten Wegen zu wirken, etwa indem sie Entzündungen dämpfen, eine Substanz reduzieren, die Nervenzellen schädigt, und schädliche Prozesse im Rückenmark abschwächen.
Studien am Menschen liefern bislang viel weniger. Kleine frühe Untersuchungen mit sieben bis einer Handvoll Patientinnen und Patienten prüften, ob Stammzellen sicher ins Rückenmark injiziert werden können. Sowohl mit neuralen als auch mit mesenchymalen Stammzellen erwies sich der Eingriff als technisch machbar, ohne schwerwiegende unmittelbare Sicherheitsrisiken. Keine dieser Studien war jedoch darauf ausgelegt zu messen, ob die Behandelten dadurch tatsächlich gesünder wurden.
Ob Stammzelltherapie ALS beim Menschen bremst, ist bisher nicht belegt. Eine Untersuchung, bei der eine Gruppe von Patientinnen und Patienten die Behandlung erhält und eine vergleichbare Gruppe nicht, wurde bis heute nicht abgeschlossen. Ohne diesen Vergleich lässt sich nicht schlussfolgern, dass die Behandlung wirkt.
Forschende gehen außerdem davon aus, dass Stammzellen allein angesichts der Komplexität von ALS wahrscheinlich nicht ausreichen werden. Sie denken an Kombinationen mit anderen Ansätzen, etwa mit Substanzen, die Nervenzellen schützen oder Entzündungen eindämmen. Wie eine solche Kombination konkret aussehen könnte, ist noch vollkommen offen.
Diese Antwort stützt sich auf acht Übersichtsarbeiten sowie eine Handvoll früher Studien am Menschen mit kleinen Patientengruppen. Die Tierversuche sind konsistenter und weiter fortgeschritten; die Daten aus Studien am Menschen beschränken sich auf Sicherheitsbeobachtungen bei sehr kleinen Teilnehmerzahlen. Eine abgeschlossene vergleichende Studie am Menschen liegt nicht vor, weshalb sich Ursache und Wirkung beim Menschen nicht bestimmen lassen.
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