longevitywatch

Helfen mesenchymale Stammzellen gegen Gebrechlichkeit im Alter?

Vorläufige Evidenz

Mesenchymale Stammzellen scheinen bei gebrechlichen älteren Menschen kurzfristig sicher zu sein und senken nachweislich Entzündungsmarker im Blut. Ob sie tatsächlich gegen Gebrechlichkeit helfen, ist nicht geklärt. Bis größere und längere Studien vorliegen, bleibt dies ein vielversprechender, aber experimenteller Ansatz.

Das bislang stärkste Argument für diese Therapie ist ihre Sicherheit. In einer randomisierten Studie mit 30 gebrechlichen älteren Menschen (Durchschnittsalter 75,5 Jahre) traten nach einer Infusion von 100 oder 200 Millionen mesenchymalen Stammzellen innerhalb eines Monats keine schwerwiegenden behandlungsbedingten Nebenwirkungen auf. Beide Dosierungen galten als sicher.

Auswirkungen auf Beweglichkeit und körperliche Fitness fallen vorsichtig positiv aus, sind aber schwer einzuordnen. Nur die Gruppe mit 100 Millionen Zellen legte im Sechs-Minuten-Gehtest eine längere Strecke zurück und schnitt bei einem kurzen Fitnessparcours besser ab. Die Gruppe mit der doppelten Dosis zeigte diesen Vorteil nicht, ebenso wenig wie die Placebogruppe. Warum die niedrigere Dosis besser wirkte als die höhere, bleibt ungeklärt, was die Befunde grundsätzlich in Frage stellt.

Bei Blutmarkern für chronische Entzündung, einem Mechanismus, der eng mit Gebrechlichkeit zusammenhängt, sanken bestimmte Entzündungsbotenstoffe in beiden Wirkstoffgruppen stärker als in der Placebogruppe. Das deutet darauf hin, dass die Zellen das Immunsystem beeinflussen.

Alle abgeschlossenen Studien sind kleine Frühphasenstudien. Reviewerinnen und Reviewer sind sich einig: Größere und längere Untersuchungen sind nötig, bevor sich verlässliche Aussagen zur Wirksamkeit machen lassen. Hinzu kommt, dass ein Tumorrisiko über lange Zeiträume nicht ausgeschlossen werden kann. In den publizierten Studien wurden zwar keine Fälle gemeldet, doch war die Nachbeobachtungszeit zu kurz und die Teilnehmerzahl zu gering, um daraus Schlüsse zu ziehen. Für kognitive Gebrechlichkeit gibt es bisher nur eine theoretische Grundlage; Humandaten aus klinischen Studien fehlen.

Die Belege
8 Studien · 2 randomisierte Studien · ≈ 30 Teilnehmer

Diese Antwort stützt sich auf zwei kleine randomisierte Studien (darunter die CRATUS-Studie mit maximal 30 Teilnehmenden), ergänzt durch einen systematischen Review und mehrere narrative Reviews. Die Evidenzlage zur kurzfristigen Sicherheit ist einigermaßen konsistent, doch sind die Studien zu klein und zu kurz, um Aussagen zur Wirksamkeit oder zu Langzeitrisiken zu treffen. Reviewerinnen und Reviewer betonen, dass weltweit nur eine Handvoll Studien laufen und sämtliche Ergebnisse noch als Frühphasenbefunde einzustufen sind.

Zuletzt geprüft: September 2026 · wie das beurteilt wurde
Verwandte Antworten

Kann Stammzelltherapie ALS bremsen?

Stammzelltherapie ist bei ALS bislang nicht als wirksam belegt. Der Eingriff scheint sicher durchführbar zu sein, doch ob er die Krankheit bremst, ist derzeit nicht bekannt.

Vorläufige Evidenz

Erhöht Linolsäure im Gewebe das Risiko für Hautkrebs?

Es gibt vorläufige Hinweise darauf, dass höhere Linolsäurespiegel mit einem erhöhten Melanomrisiko zusammenhängen, doch die Evidenzlage ist zu gering und zu widersprüchlich, um Linolsäure zu meiden. Wer sich Sorgen um Hautkrebs macht, erreicht mit ausreichend Vitamin D und konsequentem UV-Schutz deutlich mehr.

Vorläufige Evidenz

Kann man Mikroplastik aus den Blutgefäßen entfernen?

Die Forschungslage ist zu dünn, um diese Frage zu beantworten.

Unzureichende Evidenz
Verwandte Forschung
18 Sep
Ozempic-Wirkstoff verlängert gesundes Altern bei älteren Mäusen
18 Sep
Plättchenreiches Plasma schlägt Kortison bei Rückenschmerzen durch Spinalstenose
17 Sep
Lungenmittel lässt Blut in sechs Aging-Clocks jünger erscheinen
Ist deine Frage nicht dabei?
Stell sie, und wir finden es für dich heraus.
Eine Frage stellen
Newsletter

Bleib auf dem Laufenden

Zweimal pro Woche die wichtigste Longevity-Forschung in deinem Postfach.