Schlafe ich schlechter, wenn ich gestresst bin, und entsteht daraus ein Teufelskreis?
Stress verschlechtert deinen Schlaf, und schlechter Schlaf treibt deinen Stresspegel in die Höhe: Dieser Kreislauf ist gut belegt. Wer merkt, dass sich Stress und Schlafmangel aufschaukeln, sollte früh gegensteuern, etwa durch Stressmanagement oder eine bessere Schlafhygiene, bevor sich der Kreislauf festsetzt.
Stress stört deinen Schlaf auf mehreren Ebenen. Arbeitsstress erhöht das Risiko für Schlaflosigkeit um den Faktor 1,73; eine hohe Arbeitsbelastung verdreifacht dieses Risiko beinahe. Das zeigt eine Metaanalyse, die allerdings überwiegend Querschnittstudien ausgewertet hat. Die meisten Einzelstudien haben also Menschen nur zu einem einzigen Zeitpunkt befragt, weshalb sich Ursache und Wirkung nicht sauber trennen lassen.
Der Teufelskreis ist real. Eine Studie mit 55 Kindern zwischen 8 und 16 Jahren zeigte, dass schlechter Schlaf am nächsten Morgen mit höheren Werten des Stresshormons Cortisol und erhöhten Entzündungswerten einherging. Diese erhöhten Stresswerte können ihrerseits den Schlaf der folgenden Nacht erschweren. Schlafen nach einem belastenden Erlebnis scheint die Erholung zu fördern und Angstgefühle zu dämpfen.
Anhaltend schlechter Schlaf hat weitreichende Folgen. Schlafmangel ist für sich genommen schon eine körperliche Belastung, und wenn er dauerhaft anhält, steigt das Risiko für Depressionen und andere psychische Beschwerden. Umgekehrt verschlechtern Depressionen und Angststörungen wiederum den Schlaf. Ein besonderes Phänomen: Sehr kurzfristiger Schlafentzug kann depressive Symptome manchmal vorübergehend lindern, doch das macht den Zusammenhang eher komplizierter, als dass es eine Lösung wäre.
In einer Gruppe von 320 Medizinstudierenden in Saudi-Arabien schliefen 30% schlecht, 40% litten tagsüber unter übermäßiger Schläfrigkeit und 33% berichteten von Einschlaf- oder Durchschlafproblemen; die durchschnittliche Schlafdauer lag bei nur 5,8 Stunden. Höherer Stress hing dabei deutlich mit schlechterem Schlaf zusammen. Das ist eine spezifische Gruppe, deren Zahlen sich nicht einfach auf alle übertragen lassen, doch das Muster deckt sich mit dem, was breitere Untersuchungen zeigen.
Die Evidenz stammt aus einer Metaanalyse zu Arbeitsstress und Schlaflosigkeit, mehreren Beobachtungsstudien und einer kleineren Studie mit Kindern (n=55). Randomisierte Studien existieren für diese Frage nicht. Kausalität ist plausibel, für alle Zusammenhänge aber nicht eindeutig belegt.