Warum werden deine Telomere mit zunehmendem Alter kürzer?
Telomerverkürzung gehört zum Leben: Jede Zellteilung kostet ein Stück. Aber Rauchen, chronischer Stress und Schlafmangel beschleunigen diesen Prozess nachweislich. Auf diese Beschleunigung kannst du also zumindest teilweise Einfluss nehmen.
Bei jeder Zellteilung geht ein kleines Stück Telomer verloren. Das Kopierenzym kann die allerletzten Abschnitte an den Enden deiner DNA schlicht nicht erfassen. Je öfter sich eine Zelle geteilt hat, desto kürzer sind ihre Telomere in der Regel. Dieses Grundprinzip der Telomerverkürzung gilt als gut belegt.
Freie Radikale beschleunigen diesen Vorgang. Diese aggressiven Moleküle entstehen im Stoffwechsel, gelangen aber auch durch Rauchen, ungesunde Ernährung, Schlafmangel und UV-Strahlung in den Körper. Telomere reagieren besonders empfindlich auf solche Schäden. Damit sind freie Radikale das direkte Bindeglied zwischen deinem Lebensstil und einer schnelleren Telomerverkürzung.
Chronischer Stress und niedriggradige Entzündungen verschärfen das Problem zusätzlich. Anhaltender Stress erhöht den Stresshormonspiegel, der wiederum freie Radikale und Entzündungsbotenstoffe ankurbelt. Diese Botenstoffe schädigen ihrerseits die Telomere. Studien an Menschen zeigen, dass Personen mit dauerhaft hohem Stressniveau im Schnitt kürzere Telomere haben als Menschen mit wenig Stress.
Dein Ausgangswert bei der Geburt spielt eine mindestens ebenso große Rolle. Die Telomerlänge, mit der du zur Welt kommst, scheint der stärkste Vorhersagewert für deine Telomerlänge im gesamten weiteren Leben zu sein. Untersuchungen zeigen, dass das Muster langer und kurzer Telomere bereits im Nabelschnurblut festgelegt ist und sich bemerkenswert stabil hält. Eltern können über die Gene auch kürzere Telomere an ihre Kinder weitergeben, allerdings ist die Evidenz dafür noch begrenzt.
Werden Telomere zu kurz, schaltet die Zelle sich selbst ab. Normalerweise sind Telomere in eine schützende Proteinhülle eingebettet, die verhindert, dass die Zelle ihr eigenes Ende als Schaden erkennt. Funktioniert dieser Schutz nicht mehr, stellt die Zelle dauerhaft ihre Teilung ein oder stirbt ab. Eine Anhäufung solcher stillgelegter Zellen im Gewebe gilt als einer der zentralen Treiber der Organealterung.
Am stärksten belegt sind das Grundprinzip der Telomerverkürzung bei der Zellteilung sowie die Folgen zu kurzer Telomere (Teilungsstopp oder Zelltod). Die Rolle freier Radikale, von Stress und Entzündungen ist gut plausibel, aber etwas weniger eindeutig nachgewiesen. Am dünnsten ist die Evidenz für die genetische Weitergabe kürzerer Telomere von Eltern an Kinder.