Was bewirkt intermittierendes Fasten auf die Insulinsensitivität?
Intermittierendes Fasten verbessert die Insulinsensitivität, doch die Studienlage ist noch überwiegend klein und kurzfristig. Wer es ausprobieren möchte: Frühes Essen mit Mahlzeiten bis spätestens 15:00 Uhr ist laut der stärksten Studie der wirksamste Ansatz, auch ohne Abnahme-Ziel.
Intermittierendes Fasten verbessert in mehreren Metaanalysen randomisierter Studien den Nüchterninsulin, den Nüchternblutzucker und den HOMA-IR-Wert, ein gängiges Maß für Insulinresistenz. Die meisten Einzelstudien hatten im Schnitt nur 38 Teilnehmer und liefen durchschnittlich drei Monate. Die Gutachter stufen die Evidenz für diese Endpunkte deshalb als gering bis sehr gering ein.
Den stärksten Hinweis darauf, dass Fasten die Insulinsensitivität direkt beeinflusst und nicht nur über Gewichtsverlust, liefert eine kontrollierte Crossover-Studie mit Männern mit Prädiabetes. Fünf Wochen lang aßen sie alle Mahlzeiten innerhalb eines Sechs-Stunden-Fensters, spätestens bis 15:00 Uhr. Obwohl ihr Gewicht konstant blieb, verbesserten sich sowohl die Insulinsensitivität als auch die Reaktion der Bauchspeicheldrüse auf den Blutzucker deutlich. Der Esszeitpunkt selbst spielt also eine Rolle, unabhängig von der Kalorienmenge.
Wer den Großteil der Kalorien früh am Tag isst und späte Abendmahlzeiten meidet, verbessert die Blutzuckerregulation nach den Mahlzeiten zusätzlich. Das passt zum inneren Taktgeber des Stoffwechsels: Die Insulinsensitivität ist morgens von Natur aus am höchsten.
Bei älteren Erwachsenen mit Insulinresistenz verbesserte die 5:2-Methode, also zwei Fastentage pro Woche, nach acht Wochen die Blutwerte für den Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel. Der Effekt war mit dem einer herkömmlichen gesunden Ernährung vergleichbar, jedoch nicht nennenswert besser. Alle gängigen Fastenformen gelten als sicher und führen nachweislich nicht zu gestörtem Essverhalten.
Für Menschen in einer Krebsbehandlung sieht die Abwägung anders aus. Bisher gibt es dazu fast ausschließlich Tierdaten; kontrollierte Studien am Menschen fehlen weitgehend. Fasten während einer Krebstherapie sollte deshalb grundsätzlich nur in ärztlicher Begleitung erfolgen.
Basierend auf mehreren Metaanalysen und randomisierten Studien (PMID 34919135, 34633860, 38901423, 29754952, 35215472). Die mechanistische Grundlage über Ketogenese und Autophagie stammt aus Reviews (PMID 39674569, 27810402). Die Evidenz bei Krebspatienten ist überwiegend präklinisch (PMID 34788373). Die Metaanalysen selbst stufen die Evidenzqualität für Insulinmarker als gering bis sehr gering ein.