Gealterte Zellen helfen Tumoren, das Immunsystem auszusperren
Tumoren haben eine Strategie, um das Immunsystem fernzuhalten: Sie umgeben sich mit seneszenten Zellen, die den Immunzugang blockieren. Ein neuer Ansatz nimmt beide Probleme gleichzeitig ins Visier – mit vielversprechenden Ergebnissen in Tiermodellen.
Immuntherapie, bei der das körpereigene Immunsystem den Tumor angreift, funktioniert bei manchen Krebsarten gut. Bei vielen soliden Tumoren – also Krebsgeschwüren in Organen wie Leber, Lunge oder Brust – sind die Ergebnisse hingegen enttäuschend. Der Tumor schafft es, Immunzellen buchstäblich auszusperren. Ein Mechanismus dahinter sind seneszente Zellen: Zellen, die sich nicht mehr teilen, aber auch nicht abgebaut werden und dabei entzündungsfördernde Signale freisetzen.
Nanopartikel, die zwei Ziele gleichzeitig treffen
Die Studie, veröffentlicht in Science, beschreibt eine Nanotherapie, bei der winzige Partikel (einige Dutzend Nanometer groß) gezielt zum Tumor geleitet werden. Diese Partikel sind so konzipiert, dass sie gleichzeitig seneszente Zellen in der Tumorumgebung angreifen und den sogenannten Immunausschluss verringern – jene Barriere, die T-Zellen (Immunzellen, die Tumorzellen abtöten können) daran hindert, in den Tumor einzudringen. In Mausmodellen mit Fibrose und Krebs führte die Behandlung zu weniger Narbengewebe rund um den Tumor und zu einer besseren Einwanderung von T-Zellen.
Die Kombination ist deshalb relevant, weil Fibrose (überschießende Narbenbildung) und seneszente Zellen zwei Mechanismen sind, die sich in der Tumorumgebung gegenseitig verstärken. Indem beide gleichzeitig adressiert werden, hoffen die Forschenden, Resistenzen gegenüber bestehenden Immuntherapien zu überwinden. Ob das beim Menschen funktioniert, ist noch offen: Die Studie wurde in Mausmodellen durchgeführt, und der Weg zur klinischen Anwendung bleibt weit.
Bedeutung für Altersforschung und Onkologie
Seneszente Zellen häufen sich mit zunehmendem Alter an. Sie fördern chronische Entzündungen und verändern das Milieu des umliegenden Gewebes. Im Kontext von Krebs kann das Tumoren begünstigen und dazu beitragen, dass sie der Immunüberwachung entgehen. Diese Studie ist ein Beispiel für Forschung, die Altersbiologie und Onkologie verknüpft – ein Feld, das rasant wächst und künftig neue Therapiestrategien hervorbringen könnte.
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