Gealterte Zellen und Mutationen beschleunigen sich gegenseitig
Zwei der wichtigsten Ursachen des Alterns wurden lange getrennt erforscht: Zellen, die dauerhaft abschalten, und Zellen, die Mutationen ansammeln. Neue Forschung fragt, ob sie sich aktiv gegenseitig verstärken.
Mit zunehmendem Alter häufen sich im Körper zwei Arten von Schäden. Die erste ist zelluläre Seneszenz: Zellen, die aufhören sich zu teilen, aber nicht absterben. Sie schütten entzündliche Signalstoffe aus, die das umliegende Gewebe schädigen. Die zweite ist die somatische Mutation: DNA-Fehler, die sich langsam über Stammzellen in alle Gewebe ausbreiten, die diese versorgen.
Beide Prozesse gelten als anerkannte Treiber des Alterns. Wie sie jedoch zusammenwirken, wurde kaum untersucht. Die Forschenden argumentieren in ihrer Analyse, dass sich die beiden Mechanismen an mehreren Stellen gegenseitig verstärken können.
Wie Seneszenz Mutationen begünstigt
Seneszente Zellen hören zwar auf, sich zu teilen, bleiben aber metabolisch aktiv und können weiterhin DNA-Schäden ansammeln. Sie produzieren vermehrt reaktive Sauerstoffspezies (freie Radikale), die die DNA schädigen. Zudem regulieren sie mehrere DNA-Reparaturgene herunter. Gleichzeitig sind sie resistent gegenüber dem programmierten Zelltod (Apoptose) und überdauern daher selbst im beschädigten Zustand. Damit könnten seneszente Zellen einen Nährboden für neue Mutationen bilden, so die Forschenden.
Umgekehrt können bestimmte Mutationen Seneszenz auslösen: Wird ein wachstumsförderndes Gen (ein Onkogen) durch eine Mutation aktiviert, kann eine Zelle sich selbst als Notbremse in die Seneszenz treiben. Die beiden Prozesse verlaufen damit nicht parallel, sondern verflechten sich miteinander.
Schwer zu entwirren
Die Forschenden betonen, dass es beim Altern nach wie vor schwierig ist, Ursache und Wirkung zu trennen. Seneszenz und somatische Mutation sind eigenständige Ereignisse, die sich auf Bevölkerungsebene statistisch kaum voneinander abgrenzen lassen. Dennoch ist der konzeptionelle Kern bedeutsam: Wenn sich beide Prozesse gegenseitig verstärken, könnten Interventionen, die nur auf einen der beiden abzielen, weniger wirksam sein als erhofft. Die Arbeit ist theoretischer Natur und beruht auf einer Literaturauswertung, nicht auf neuen experimentellen Daten.
Suchbegriffe zur Vertiefung: cellular senescence somatic mutation | somatic mosaicism aging | oncogene-induced senescence