Hirnregionen altern bei Lewy-Körper-Demenz unterschiedlich schnell
Nicht alle Hirnareale bauen sich bei der Lewy-Körper-Demenz gleich schnell ab. Komplexere, stark vernetzte Regionen scheinen anfälliger zu sein als einfachere – und eine neue Studie liefert Erklärungsansätze dafür.
Die Forschenden verglichen MRT-Aufnahmen von 89 Patienten mit Lewy-Körper-Demenz mit denen von 89 gesunden Vergleichspersonen. Sie maßen, welche Bereiche der Hirnrinde am stärksten ausdünnten, und setzten diese Muster mit Genexpressionsdaten aus post mortem untersuchten menschlichen Gehirnen in Beziehung.
Was sind Lewy-Körper?
Die Lewy-Körper-Demenz entsteht durch die Ansammlung eines fehlgefalteten Proteins namens Alpha-Synuclein im Gehirn. Während es sich durch das zentrale Nervensystem ausbreitet, schädigt und zerstört es wichtige Nervenzellpopulationen. Die Krankheit weist Merkmale sowohl der Parkinson-Krankheit als auch der Alzheimer-Krankheit auf.
Die Studie zeigte, dass jene Hirnregionen, die am stärksten schrumpften, in gesunden Gehirnen durch eine höhere Aktivität von Genen geprägt sind, die für Mitochondrien – die energieproduzierenden Kraftwerke der Zelle – und für die Signalübertragung zwischen Nervenzellen zuständig sind. Diese Regionen scheinen zerbrechlicher zu sein, möglicherweise wegen ihres höheren Energiebedarfs und ihrer stärkeren Belastung durch fehlgefaltetes Protein.
Gezielte Anfälligkeit statt zufälliger Degeneration
Neben den Überschneidungen mit bekannten Signalwegen bei Parkinson und Alzheimer identifizierten die Forschenden auch 90 Gene, die spezifisch für die Lewy-Körper-Demenz sind und sich in einem bestimmten hemmenden Signalnetzwerk, dem sogenannten GABAergen System, häufen. Das räumliche Muster der Hirnrinden-Ausdünnung folgte zudem der strukturellen Vernetzung des Gehirns – ein Befund, der mit der Vorstellung übereinstimmt, dass sich fehlgefaltetes Alpha-Synuclein entlang bestehender neuronaler Verbindungen ausbreitet.
Dass die stoffwechselaktivsten und am stärksten vernetzten Hirnregionen am härtesten getroffen werden, ist auch aus der Perspektive der Alternsforschung bemerkenswert. Es stellt sich die Frage, ob ein Schutz der Mitochondrienfunktion dieses Schädigungsmuster verlangsamen könnte. Die Studie beantwortet das nicht direkt, ordnet die Lewy-Körper-Demenz aber neu: nicht als wahllos fortschreitenden Prozess, sondern als Krankheit, die von spezifischen molekularen und netzwerkbezogenen Schwachstellen bestimmt wird. Diese Unterscheidung ist für die Früherkennung und die Entwicklung gezielter Therapien von Bedeutung.
Zum englischen Originalartikel
Für eigene Recherchen geeignete Suchbegriffe:
Alpha-Synuclein cortical thinning, mitochondrial vulnerability neurodegeneration, GABAergic signalling Lewy body dementia