Langlebige Arten teilen drei Alterungsmechanismen
Manche Lebewesen auf der Erde werden über 250 Jahre alt. Was haben sie gemeinsam? Forschende suchten nach den molekularen Mustern, die Langlebigkeit erklären – sowohl im Artenvergleich als auch zwischen Individuen derselben Art.
Ein 80.000 Jahre alter Baum, eine Nacktmaus, die kaum Krebs entwickelt, oder eine Qualle, die ihren eigenen Lebenszyklus offenbar zurückzusetzen vermag: In solchen Organismen verläuft das Altern völlig anders als beim Menschen. Doch welche Mechanismen stecken dahinter – und lassen sie sich auf das menschliche Altern übertragen?
Forschende analysierten 101 Arten, die länger als 250 Jahre leben. Neunzig davon sind Pflanzen, elf sind Tiere. Untersucht wurden genetische, proteomische und metabolische Merkmale – sowohl auf Artenebene (warum lebt eine Art länger als eine andere?) als auch auf Individualebene (warum überlebt ein Mitglied einer Art seine Artgenossen?). Die Ergebnisse erschienen in der Fachzeitschrift Aging.
Drei gemeinsame Mechanismen
Laut der Studie kennzeichnen drei Prozesse die Variation der Lebensspanne sowohl zwischen als auch innerhalb von Arten: DNA-Erhaltung (die Fähigkeit von Zellen, genetische Schäden zu erkennen und zu reparieren), Stammzellaktivität (die Bewahrung von Zellen, die Gewebe erneuern können) sowie Stressmanagement (die Fähigkeit, schädlichen Bedingungen wie Hitze, Oxidation oder Sauerstoffmangel standzuhalten).
Bemerkenswert: Dieselben Mechanismen sind auch in frühen Entwicklungsphasen und in Keimzellen aktiv – also in jenen Zellen, die genetisches Material an künftige Generationen weitergeben. Die Forschenden halten das für kein Zufall: Langlebige Arten scheinen bestimmte Entwicklungsmerkmale über längere Zeiträume beizubehalten.
Vorsicht bei den Schlussfolgerungen
Die Forschenden äußern sich ausdrücklich zurückhaltend. Molekulare Daten aus Tausenden von Individuen langlebiger Arten sind nach wie vor rar. Die Methoden unterscheiden sich zwischen den Studien erheblich. Und das Zusammenspiel von Physiologie und Umwelt ist noch unzureichend verstanden. Der genaue Beitrag jedes einzelnen Mechanismus lässt sich daher derzeit nicht beziffern.
Aus Sicht der Longevity-Forschung ist das aufschlussreiches Material. Wenn DNA-Reparatur, Stammzellfunktion und Stressresilienz gemeinsame Merkmale langlebiger Organismen sind, könnten sie als Ansatzpunkte für die Erforschung des menschlichen Alterns relevant sein. Was sich daraus für die Humanbiologie ableiten lässt, müssen jedoch weitere Arbeiten zeigen – der Weg von langlebigen Pflanzen und Tieren zum Menschen ist weit.
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