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Normaler B12-Spiegel kann alternden Gehirnen dennoch schaden

Redaktion LongevityWatch · 23. Mai 2026 · 1 min · English

Die aktuellen Vitamin-B12-Empfehlungen reichen möglicherweise nicht aus, um das alternde Gehirn zu schützen. Forschende der UC San Francisco stellten bei älteren Erwachsenen mit noch als normal geltenden B12-Werten messbare kognitive Einbußen fest.

Studienteilnehmende mit niedrigeren, aber technisch noch normalen Werten an aktivem B12 verarbeiteten visuelle Informationen langsamer. Zudem wiesen sie stärkere Schäden in der weißen Substanz auf – jenem Netzwerk aus Faserbahnen, das verschiedene Hirnregionen miteinander verbindet. Diese Veränderungen zeigten sich, obwohl klinisch kein Mangel diagnostiziert worden war.

Vitamin B12 wird für die Bildung von Myelin benötigt, der Schutzschicht um die Nervenfasern. Fehlt ausreichend B12, beginnen diese Fasern zu degenerieren. Die Folge sind verlangsamte Informationsverarbeitung und schlechtere kognitive Leistung – messbar, selbst wenn Standardtests keinen Mangel anzeigen.

Aktives B12 ist entscheidender als Gesamt-B12

Ein zentraler Befund der Studie ist die Unterscheidung zwischen Gesamt-B12 und aktivem B12 im Blut. Der Gesamtwert umfasst auch eine gebundene Form, die der Körper nicht verwerten kann. Der nutzbare Anteil, Holotranscobalamin genannt, spiegelt wider, was den Zellen tatsächlich zur Verfügung steht. Übliche Bluttests messen jedoch in der Regel das Gesamt-B12, weshalb funktionelle Engpässe häufig unentdeckt bleiben.

Ältere Erwachsene tragen ein erhöhtes Risiko. Die B12-Aufnahme nimmt mit dem Alter ab, unter anderem weil der Magen weniger Säure produziert. Auch Vegetarierinnen und Vegetarier sowie Veganerinnen und Veganer sind gefährdet, da B12 nahezu ausschließlich in tierischen Produkten vorkommt.

Plädoyer für überarbeitete Empfehlungen

Die Forschenden fordern höhere empfohlene Tagesdosen sowie eine routinemäßige Bestimmung des aktiven B12 bei älteren Menschen. Die geltenden Richtwerte wurden größtenteils festgelegt, um Blutarmut zu verhindern – nicht gezielt zum Schutz der Gehirnfunktion. Diese beiden Schwellenwerte scheinen nicht identisch zu sein.

Ob eine erhöhte B12-Zufuhr bei Personen mit niedrig-normalen Werten Hirnschäden tatsächlich verhindert oder rückgängig macht, muss noch in Interventionsstudien gezeigt werden. Die vorliegenden Ergebnisse liefern jedoch bereits Anlass, die bestehenden Grenzwerte zu überdenken – insbesondere für alternde Bevölkerungsgruppen.

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