Ultrahochverarbeitete Lebensmittel schädigen die Aufmerksamkeit unbemerkt
Wer sich grundsätzlich gesund ernährt, kann trotzdem kognitive Einbußen erleiden – wenn ultrahochverarbeitete Lebensmittel Teil der Ernährung sind. Eine Studie mit mehr als zweitausend Erwachsenen zeigt: Die Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit ist real und messbar.
Ultrahochverarbeitete Lebensmittel umfassen Produkte, die industriell stark bearbeitet wurden: Chips, Fertiggerichte, gesüßte Frühstückscerealien, Softdrinks. Sie sind typischerweise ballaststoffarm und reich an Zusatzstoffen. Wer mehr davon aß, schnitt in Aufmerksamkeitstests schlechter ab und zeigte eine langsamere Informationsverarbeitung. Das galt selbst für Teilnehmer, die sich ansonsten gesund ernährten. Die Forschenden stellten außerdem fest, dass ein höherer Konsum mit mehr Risikofaktoren für Demenz verbunden war.
Es handelt sich um eine Assoziationsstudie: Die Forschenden fanden eine Korrelation, keinen bewiesenen kausalen Zusammenhang. Menschen, die viele ultrahochverarbeitete Lebensmittel essen, unterscheiden sich möglicherweise auch in anderen Lebensgewohnheiten. Dennoch blieb der Zusammenhang bestehen, nachdem die allgemeine Ernährungsqualität berücksichtigt wurde – was es schwer macht, die Befunde einfach abzutun.
Wie ultrahochverarbeitete Lebensmittel das Gehirn beeinflussen könnten
Mehrere Mechanismen sind plausibel. Ultrahochverarbeitete Lebensmittel verursachen stärkere Blutzuckerschwankungen, die die kurzfristige Hirnfunktion beeinträchtigen. Zudem sind sie arm an gehirnunterstützenden Nährstoffen wie Omega-3-Fettsäuren und Antioxidantien. Und die Kombination aus Zusatz- und Konservierungsstoffen kann das Darmmikrobiom verändern. Über die Darm-Hirn-Achse – die bidirektionale Signalübertragung zwischen Darm und Gehirn – können Verschiebungen in der Mikrobiomzusammensetzung Kognition und Stimmung beeinflussen.
Für die Langlebigkeitsforschung ist das von Bedeutung, denn kognitivem Abbau zählt zu den folgenreichsten Erscheinungsformen des Alterns. Wenn Ernährungsmuster bereits in der Lebensmitte die Verarbeitungsgeschwindigkeit und das Demenzrisiko beeinflussen, ergibt sich daraus ein konkreter Ansatzpunkt für die Prävention.
Was das in der Praxis bedeutet
Die Studie rechtfertigt keine dramatischen Schlussfolgerungen. Eine Portion Chips am Tag verursacht keine Demenz. Doch die Forschung reiht sich in eine wachsende Befundlage ein, die zeigt, dass ultrahochverarbeitete Lebensmittel – selbst in moderaten Mengen – messbare Auswirkungen auf die kognitive Funktion haben. Auf Basis solcher Erkenntnisse erscheint es zunehmend sinnvoll, neben vertrauten Kriterien wie Kalorien- und Ballaststoffgehalt auch den Verarbeitungsgrad von Lebensmitteln im Blick zu behalten.