Wer mit vierzig biologisch schneller altert, verliert später Gedächtnisleistung
Menschen, deren biologisches Alter in den Vierzigern schneller voranschreitet, berichten ein Jahrzehnt später häufiger über Gedächtnisprobleme. Das ist das vorläufige Ergebnis einer neuen Studie, die eine DNA-Altersuhr mit alltäglichen Gedächtnislücken verknüpft.
Biologisches Altern lässt sich heute mit sogenannten Altersuhren messen: Algorithmen, die ablesen, wie sich chemische Markierungen auf der DNA im Laufe der Zeit verschoben haben. Eine dieser Uhren, DunedinPACE, schätzt nicht das biologische Alter zu einem einzelnen Zeitpunkt, sondern misst, wie schnell jemand altert. Nun haben Forschende diese Messgröße mit einem konkreten Alltags-Phänomen verknüpft: Gedächtnislücken wie das Vergessen eines geplanten Vorhabens oder das Auslassen einer Medikamenteneinnahme.
Auf Basis von Daten der National Study of Daily Experiences und der Midlife in the United States-Studie verfolgten die Forschenden 232 Erwachsene in der Lebensmitte und darüber hinaus. Das Tempo des DNA-Alterns wurde gemessen, als die Teilnehmenden etwa vierzig Jahre alt waren. Jahre später gaben die Teilnehmenden selbst an, wie häufig sie Gedächtnisaussetzer erlebten.
Zum Messzeitpunkt kein Signal – aber ein Jahrzehnt später
Zum Zeitpunkt der DNA-Messung zeigte sich kein nennenswerter Zusammenhang mit Gedächtnisbeschwerden. Wer jedoch damals ein schnelleres Alterungstempo aufwies, berichtete zehn Jahre später häufiger über Gedächtnisprobleme. Das deutet darauf hin, dass die frühe Lebensmitte eine biologische Grundlage für spätere kognitive Anfälligkeit legen könnte.
Die Studie ist mit 232 Teilnehmenden klein, und die Gedächtnisprobleme wurden per Selbstauskunft erfasst, nicht klinisch bewertet. Die Befunde sind daher vorläufig. Selbst berichtete Gedächtnislücken sind ein frühes Warnsignal für Demenzrisiko, keine Diagnose. Dass eine DNA-Altersuhr dennoch einen Unterschied ein volles Jahrzehnt später vorhersagen konnte, ist bemerkenswert.
Warum das relevant ist
Die Forschenden argumentieren, dass die frühe Lebensmitte ein entscheidendes Zeitfenster für den langfristigen Schutz der kognitiven Gesundheit darstellt. Das deckt sich mit bestehender Forschung zu Demenz-Risikofaktoren: Rauchen, Bewegungsmangel, hoher Blutdruck und schlechter Schlaf beschleunigen allesamt das biologische Alterungstempo. Ob eine Verlangsamung dieses Tempos durch Lebensstil-Maßnahmen auch spätere Gedächtnisbeschwerden reduziert, wurde bislang nicht untersucht – das wäre der logische nächste Schritt.
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