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Forschung · Immunsystem

Wildtierhandel überträgt seit Jahrzehnten Krankheiten vom Tier auf den Menschen – Daten belegen es erstmals

Redaktion LongevityWatch · 13. April 2026 · 2 min · English

Der Handel mit Wildtieren ist seit mindestens vierzig Jahren einer der wichtigsten Übertragungswege für neue Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übergehen. Eine neue Analyse stellt diesen Zusammenhang erstmals auf eine quantitative Grundlage. Die Ergebnisse dürften Entscheidungsträgern zu denken geben.

Zoonotische Krankheiten – also Infektionen, die vom Tier auf den Menschen überspringen – machen mehr als sechzig Prozent aller neu auftretenden Infektionskrankheiten beim Menschen aus. Ebola, SARS, MERS und höchstwahrscheinlich auch Covid-19 haben allesamt tierische Ursprünge. Dennoch sind die konkreten Übertragungswege bislang selten systematisch dokumentiert worden. Forschende, die ihre Ergebnisse in Science veröffentlicht haben, analysierten nun vierzig Jahre Daten zur Krankheitserreger-Übertragung über den internationalen Wildtierhandel.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Länder, die mehr Wildtiere importieren – ob lebend oder als Produkte – verzeichnen höhere Raten neuartiger zoonotischer Infektionen. Der Zusammenhang bleibt auch nach Bereinigung um Bevölkerungsdichte, Entwaldung und andere Mensch-Tier-Kontaktwege bestehen. Besonders beunruhigend ist das Muster im Amazonasgebiet, das ein Begleitartikel in derselben Ausgabe von Science näher beleuchtet: Der Infrastrukturausbau im Amazonas-Regenwald beschleunigt den Kontakt zwischen Wildtieren und Menschen und erhöht damit das Risiko neuer Spillover-Ereignisse.

Warum das für Altern und Longevity relevant ist

Auf den ersten Blick scheint dieses Thema weit von der Longevity-Forschung entfernt zu sein. Doch der Zusammenhang ist direkter als er wirkt. Erstens sind ältere Menschen gegenüber neuartigen Infektionskrankheiten überproportional anfällig. Ein gealtertes Immunsystem bietet schwächeren Schutz gegen Krankheitserreger, für die weder Impfstoffe noch immunologisches Gedächtnis existieren. Zweitens ist infektionsbedingte chronische Entzündung einer der Mechanismen, die das biologische Altern beschleunigen. Jeder neue zoonotische Ausbruch setzt eine große Bevölkerungsgruppe älterer Erwachsener genau dieser Kombination aus akutem Infektionsdruck und chronischer Entzündungslast aus.

Die Forschenden weisen darauf hin, dass die bestehende internationale Regulierung – CITES, das Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten – unzureichend aufgestellt ist, um Krankheitsübertragungen zu überwachen oder zu verhindern. Das Regelwerk konzentriert sich auf den Schutz der Artenvielfalt, nicht auf Biosicherheit. Diese beiden Bereiche überschneiden sich zwar, werden aber getrennt voneinander geregelt – eine Koordinationslücke, die mit jedem neuen Ausbruch schmerzhaft sichtbar wird.

Die politischen Hürden sind mindestens so hoch wie die wissenschaftlichen

Der internationale Wildtierhandel ist wirtschaftlich erheblich. Von Exotiktierhaltung über traditionelle Medizin bis hin zu Lebensmittelmärkten – die Branche ist global aufgestellt und zum Teil im Verborgenen tätig. Schärfere Regulierung stößt auf Widerstand von Ländern, die wirtschaftlich vom Handel abhängig sind, auf kulturelle Einwände sowie auf Durchsetzungsprobleme in Staaten mit begrenzten Verwaltungskapazitäten.

Was diese Studie zur Debatte beisteuert, ist empirisches Gewicht. Der quantitative Zusammenhang zwischen Wildtierhandel und Krankheitsübertragung war zwar plausibel, ließ sich aber über lange Zeiträume und große geografische Maßstäbe hinweg bislang kaum belegen. Nun, da dieser Zusammenhang erhärtet ist, bleibt die Frage, ob die Politik daraus Konsequenzen ziehen wird.

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