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Warum haben manche Menschen nach einer Infektion monatelang Beschwerden?

Unsicher · Mäßige Evidenz

Post-infektiöse Beschwerden entstehen wahrscheinlich durch ein Zusammenspiel aus zellulärem Energiemangel, Nervenschäden und einem entgleisten Immunsystem. Die genaue Ursache ist von Person zu Person verschieden und noch nicht vollständig verstanden. Wer Monate nach einer Infektion noch Beschwerden hat, sollte sie ernst nehmen und mit einem Arzt besprechen.

Die vollständige Antwort

Anhaltende Beschwerden nach einer Infektion sind keine Seltenheit. Rund 10 % der Menschen, die COVID-19 durchmachen, kämpfen Monate später noch mit Erschöpfung, Kurzatmigkeit, Brain Fog oder Schlafproblemen. Und dieses Muster ist kein Corona-Phänomen: Nach Dengue-Fieber, dem Darmparasiten Giardia und anderen Infektionskrankheiten beobachten Forschende dasselbe.

Zu den am häufigsten nachgewiesenen Auffälligkeiten gehört eine gestörte Funktion der Mitochondrien, der Kraftwerke unserer Zellen. Wenn sie nach einer Infektion schlechter arbeiten, bricht die Energieproduktion ein, geraten Immunsystem und Gefäßsystem aus dem Takt, und oxidativer Stress häuft sich an. Das erklärt, warum schon geringe Belastung völlig erschöpfen kann. Ob diese Störung die eigentliche Ursache ist oder eher eine Begleiterscheinung, ist noch nicht abschließend geklärt.

Das autonome Nervensystem, das unbewusste Körperfunktionen wie Herzschlag und Blutdruck steuert, wird bei einem Teil der Betroffenen geschädigt. Bei einer großen Gruppe von Long-COVID- und ME/CFS-Patienten war die Hirndurchblutung beim Aufstehen deutlich verringert, und mehr als die Hälfte wies Schäden an dünnen Nervenfasern auf. Die Folgen sind klassische Beschwerden wie Schwindel, Herzrasen und der bekannte Brain Fog.

Gleichzeitig kann eine Infektion das Immunsystem dauerhaft umprogrammieren. Immunzellen reagieren danach überschießend auf neue Reize, was chronische Entzündungen am Laufen hält. Auch das Darmmikrobiom spielt möglicherweise eine Rolle: Ist die Zusammensetzung der Darmbakterien gestört, kann die Darmwand durchlässiger werden, sodass bakterielle Bruchstücke ins Blut gelangen und das Immunsystem dauerhaft aktivieren. Über die Verbindung zwischen Darm und Gehirn kann das zusätzlich kognitive Beschwerden verstärken. Dieser Mechanismus ist biologisch plausibel, aber noch nicht abschließend belegt.

Bei Beschwerden nach einer bakteriellen Infektion, etwa beim Post-Lyme-Syndrom, gibt es keinen Beleg dafür, dass schlummernde Bakterien die Ursache sind. Zusätzliche Antibiotika-Kuren helfen hier nicht. Was genau hinter diesen Beschwerden steckt, bleibt weiterhin unklar. Frauen scheinen bei mehreren Infektionskrankheiten ein höheres Risiko für langanhaltende Beschwerden zu haben als Männer.

Die Belege
8 Studien · ≈ 1.783 Teilnehmer

Die genannten Zusammenhänge stützen sich auf Beobachtungsstudien, mechanistische Hypothesen und einige größere Patientenkohorten (u. a. 143 Long-COVID- und 170 ME/CFS-Patienten sowie 1470 Dengue-Patienten). Direkte Kausalität ist für die meisten Mechanismen noch nicht nachgewiesen. Große randomisierte Studien zu den Ursachen post-infektiöser Syndrome liegen bislang nicht vor.

Zuletzt überprüft: Juli 2026
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