Alternde Zellen bekommen eine Roadmap für Präzisionsmedizin
Seneszente Zellen häufen sich mit dem Alter an, fördern Entzündungen und schädigen Gewebe. Nun haben Forschende gemeinsam einen Plan erarbeitet, um diese Zellen gezielter zu erkennen und zu behandeln.
Zelluläre Seneszenz bezeichnet den Vorgang, bei dem Zellen aufhören sich zu teilen, aber aktiv bleiben und Stoffe ausschütten, die das umliegende Gewebe schädigen können. Ein internationales Netzwerk aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Kliniker sowie politischen Entscheidungsträgern hat nach der SENESCENCE2030-Konferenz in Coimbra, Portugal, eine gemeinsame Roadmap veröffentlicht. Die Studie erschien in Nature Aging.
Was bislang fehlt
Der Plan benennt fünf Prioritäten. Erstens braucht es eine bessere Klassifizierung der verschiedenen Typen seneszenter Zellen. Nicht alle sind gleich: Manche richten mehr Schaden an als andere. Zweitens fehlen einheitliche Biomarker, also messbare Signale in Blut oder Gewebe, anhand derer Ärzte Seneszenz erkennen können. Ohne solche Standards lassen sich weder Therapien zuverlässig testen noch beurteilen, wann ein Patient von einem Eingriff profitieren würde.
Die Roadmap betont außerdem den Ansatz einer präzisen Seneszenz-Medizin: Die Behandlung soll auf den jeweiligen Zelltyp und den einzelnen Patienten zugeschnitten werden. Das setzt bessere Diagnosemethoden und neue klinische Studien voraus.
Vom Labor in die Klinik
Ein zentrales Hindernis ist der Weg von der Laborforschung in die klinische Praxis. Vieles, was über Seneszenz bekannt ist, stammt aus Zellkulturen oder Tiermodellen. Ob diese Ergebnisse auch beim Menschen zutreffen, ist in den meisten Fällen bisher nicht gezeigt worden. Die Roadmap fordert internationale Zusammenarbeit und klarere regulatorische Rahmenbedingungen, um diesen Schritt zu beschleunigen.
Für die Langlebigkeitsforschung ist dieser Plan bedeutsam, weil Seneszenz zu den am intensivsten untersuchten Mechanismen des Alterns zählt. Könnten seneszente Zellen präziser gemessen und gezielt behandelt werden, ließe sich damit möglicherweise die Grundlage für Therapien schaffen, die mehrere altersbedingte Krankheiten gleichzeitig angehen. Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg.
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