Astronautengehirne unterschätzen die Körpermasse im Weltraum
Astronauten bewegen sich im Weltraum durchgehend langsamer – selbst dann, wenn Schnelligkeit gefragt wäre. Eine neue Studie liefert die Erklärung: Ihr Gehirn unterschätzt die zu bewegende Masse.
In der Schwerelosigkeit drücken Muskeln, Knochen und Organe nicht mehr so gegeneinander wie auf der Erde. Dadurch schwächt sich die Rückmeldung der Propriozeptoren ab – jener Sensoren in Muskeln und Gelenken, die dem Gehirn mitteilen, wie der Körper belastet wird und sich bewegt. Genau auf dieses Feedback stützt sich das Gehirn, wenn es die Körpermasse schätzt. Lässt das Signal nach, kann die Schätzung vom tatsächlichen Wert abdriften.
In der Studie, veröffentlicht in eLife, führten zwölf Taikonauten an Bord der chinesischen Raumstation eine standardisierte Arm-Streck-Aufgabe durch: ein Ziel so schnell wie möglich berühren. Im Vergleich zu ihren Leistungen vor dem Flug und einer altersgematchten Kontrollgruppe am Boden bewegten sich die Taikonauten im Weltraum langsamer. In der initialen, automatischen Phase der Bewegung erzeugten sie weniger Kraft und kompensierten dies anschließend durch sensorgestützte Korrekturen während der Bewegung.