Hirnschaltkreise aktualisieren Erinnerungen an andere Menschen
Das Gehirn speichert nicht nur, wer jemand ist. Es erinnert sich auch daran, wie diese Person sich verhalten hat – und aktualisiert diese Erinnerung, wenn sich das Verhalten ändert. Neue Forschungsergebnisse identifizieren die Schaltkreise, die diese Aktualisierung vornehmen.
Soziales Gedächtnis bezeichnet die Fähigkeit, andere Personen wiederzuerkennen und sich daran zu erinnern, wie frühere Begegnungen mit ihnen verlaufen sind. Dieses Gedächtnis ist kein unveränderlicher Abdruck der Vergangenheit: Es wird anhand neuer sozialer Erfahrungen fortlaufend überarbeitet. Wie das Gehirn diese Überarbeitung – die sogenannte Valenz-Aktualisierung – vollzieht, war bislang kaum verstanden.
Die Forschenden, die ihre Ergebnisse in Science veröffentlichten, kartierten die neuronalen Schaltkreise, die für die Aktualisierung der emotionalen Färbung von Erinnerungen an bestimmte Individuen verantwortlich sind. Sie identifizierten Verbindungen zwischen Hirnregionen, die soziale Informationen verarbeiten, und solchen, die Erlebnissen einen emotionalen Wert zuweisen. Bei Mäusen führte die gezielte Unterbrechung dieser Schaltkreise dazu, dass die Tiere ihre Sozialpräferenz nicht mehr anpassen konnten, nachdem ein zuvor positiver Sozialpartner negatives Verhalten zeigte.
Soziale Flexibilität und das alternde Gehirn
Diese Art des sozialen Lernens erfordert nicht nur Gedächtnis, sondern auch kognitive Flexibilität: die Fähigkeit, bestehende Vorstellungen auf Grundlage neuer Informationen zu revidieren. Kognitive Flexibilität gehört zu den Funktionen, die bei altersbedingten kognitiven Einschränkungen und bei Erkrankungen wie Alzheimer besonders früh nachlassen. Ob die in dieser Studie identifizierten Schaltkreise im Alterungsprozess besonders anfällig sind, wurde noch nicht untersucht – die Frage ist jedoch wissenschaftlich bedeutsam.
Von der Maus zum Menschen: Vorsicht bei der Übertragung
Die Befunde basieren auf Mausexperimenten und lassen sich nicht unmittelbar auf die menschliche Sozialkognition übertragen, die erheblich komplexer ist. Dennoch bieten die identifizierten Schaltkreise einen Ausgangspunkt, um zu verstehen, wie Beeinträchtigungen des sozialen Gedächtnisses – wie sie etwa bei frontotemporaler Demenz oder im normalen Alterungsprozess auftreten – auf Schaltkreisebene erklärt werden könnten. Die Studie spricht keine therapeutischen Empfehlungen aus und benennt ausdrücklich die Grenzen des Tiermodells.
Selbst recherchieren?
Mögliche Suchbegriffe:
- social memory valence updating neural circuits
- cognitive flexibility aging prefrontal cortex
- social recognition hippocampus amygdala