BCG-Impfstoff könnte Alzheimer über das Immunsystem des Gehirns bremsen
Ein Jahrhundert alter Tuberkulose-Impfstoff zeigt offenbar eine überraschende Wirkung im Gehirn. Er aktiviert Immunzellen in der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit und könnte so die Ansammlung eines mit Alzheimer assoziierten Proteins verringern.
Der BCG-Impfstoff wird seit über hundert Jahren eingesetzt. Er schützt in erster Linie gegen Tuberkulose, doch Forschende wissen seit Langem, dass er auch das allgemeine Immunsystem trainiert. Dieser Effekt wird als „trainierte Immunität" bezeichnet: Das angeborene Immunsystem reagiert anschließend empfindlicher auf ein breites Spektrum von Bedrohungen.
Zwei kleine klinische Studien zeigen nun, dass dieser Effekt auch im Gehirn sichtbar ist. Die Forschenden impften 23 Teilnehmende im Alter von 55 Jahren und älter zweimal mit BCG, im Abstand von einem Monat. Nach einem Jahr analysierten sie Immunzellen im Liquor cerebrospinalis, der Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umgibt.
Gehirn und Blut reagieren unterschiedlich
Immunzellen im Liquor cerebrospinalis zeigten ein deutlich anderes Aktivierungsmuster als jene im Blut. Das deutet auf eine eigenständige Immunantwort im zentralen Nervensystem hin. Bei Teilnehmenden ohne Alzheimer-typische Veränderungen sanken die Spiegel von Amyloid-beta (einem Protein, das bei Alzheimer zu Plaques verklumpt) im Liquor, während sie im Blut anstiegen. Dieses Muster legt nahe, dass das Protein aus dem Gehirn abtransportiert wurde, obwohl das Team betont, dass größere kontrollierte Studien zur Bestätigung notwendig sind.
Zu früh für belastbare Schlussfolgerungen
Die Studie war offen durchgeführt worden, und die Gruppe war klein: zwölf Teilnehmende ohne und elf mit Alzheimer-typischer Pathologie. Eine Placebogruppe gab es nicht. Die Ergebnisse sind daher vorläufig und noch nicht verallgemeinerbar. Der Impfstoff wurde gut vertragen, unerwartete Nebenwirkungen traten nicht auf.
Aus einer Longevity-Perspektive ist bemerkenswert, dass das Immunsystem mit dem Alter nachlässt, ein Prozess, den Forschende als Immunalterung bezeichnen. Falls trainierte Immunität mithilfe eines bereits verfügbaren, kostengünstigen Impfstoffs diesen Rückgang teilweise ausgleichen kann, eröffnet das einen anderen Ansatz als herkömmliche Therapien, die auf Amyloid oder Tau abzielen. Wie groß dieser Effekt in größeren Gruppen wäre, bleibt abzuwarten.
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