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Wirkt die Grippeimpfung im Alter schlechter?

Ja · Starke Evidenz

Die Grippeimpfung wirkt bei älteren Menschen nachweislich schlechter als bei Jüngeren – Hochdosis- und andere verbesserte Impfstoffe verringern diesen Nachteil jedoch erheblich. Frag deinen Arzt oder deine Apotheke, ob du für einen solchen verbesserten Impfstoff in Frage kommst.

Bei Menschen ab 65 Jahren schützt die Grippeimpfung im Durchschnitt in rund 31 % der Fälle. Bei Kindern unter 18 Jahren liegt dieser Wert bei knapp 49 %, bei Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren bei 37 %. Eine große Analyse von 191 Studien bestätigt diesen Unterschied statistisch eindeutig.

Zwei biologische Mechanismen erklären dieses Muster. Erstens altert das Immunsystem: Es reagiert langsamer und schwächer auf einen Impfstoff. Zweitens verlässt sich das Immunsystem älterer Menschen stark auf Erinnerungen an frühere Grippeinfektionen, was die Reaktion auf neue Virusvarianten erschwert. Beide Effekte verstärken sich gegenseitig. Hinzu kommt, dass der Standardimpfstoff bei allen Altersgruppen schlechter gegen den A/H3N2-Stamm wirkt (26,8 %) als gegen andere Stämme (bis zu 55 %) – für ältere Menschen ein zusätzlicher Nachteil, da sie ohnehin weniger geschützt starten.

Es gibt Alternativen zum Standardimpfstoff, die bei älteren Menschen deutlich besser abschneiden. Ein Hochdosis-Impfstoff mit der vierfachen Wirkstoffmenge führte über zehn Grippesaisons und bei mehr als 22 Millionen Menschen zu 16 % weniger grippeähnlichen Erkrankungen, knapp 12 % weniger grippebedingten Krankenhausaufenthalten und über 27 % weniger Lungenentzündungs-Einweisungen gegenüber dem Standardimpfstoff. Die Sterblichkeit durch Grippe oder Lungenentzündung lag sogar 40 % niedriger. Ein Impfstoff mit einem Wirkverstärker, der die Immunreaktion ankurbelt (Adjuvans), zeigte in Untersuchungen 25 % weniger Krankenhausaufnahmen gegenüber dem gewöhnlichen Impfstoff. Auch ein sogenannter rekombinanter Impfstoff schneidet besser ab. Welcher der drei Typen am wirksamsten ist, lässt sich anhand der bisherigen Studien nicht sagen, da die Ergebnisse eng beieinanderliegen.

Ob die jährliche Wiederholung der Impfung den Schutz weiter verringert, ist unklar. Dazu fehlen bisher ausreichend Langzeitdaten: Einige Studien beobachten einen leicht nachlassenden Effekt bei Menschen, die sich jedes Jahr impfen lassen, andere nicht.

Die Belege
7 Studien · 3 Meta-Analysen · ≈ 22.000.000 Teilnehmer

Grundlage sind eine Analyse von 191 Studien (PMID 38423813), eine große Datenanalyse über mehr als 22 Millionen Personen und 10 Saisons (PMID 33422382, 32515178), eine Untersuchung zu MF59-Adjuvans-Impfstoffen (PMID 28024956), eine Übersicht zu verbesserten Impfstoffen (PMID 39230284) sowie mechanistische Übersichten (PMID 33650528, 32515178). Die Evidenz zur Wirkung wiederholter Impfungen ist unzureichend (PMID 34857422).

Zuletzt geprüft: September 2026 · wie das beurteilt wurde
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