Blasensignale reagieren auf Nervenstimulation nach Frequenz
Die Stimulation eines Nervs am Knöchel wird seit Jahren zur Behandlung von Blasenproblemen wie der überaktiven Blase eingesetzt. Wie sie tatsächlich wirkt, war bislang unklar. Neue Forschungsergebnisse zeigen erstmals, dass die Stimulationsfrequenz darüber entscheidet, ob die Blase gehemmt oder aktiviert wird. Diese Erkenntnis eröffnet einen möglichen Behandlungsweg für Menschen, die Schwierigkeiten haben, die Blase vollständig zu entleeren.
Die in eLife veröffentlichte Studie testete zwei Varianten der transkutanen Tibialisnervstimulation – ein nicht-invasives Verfahren, bei dem Elektroden auf der Haut nahe dem Knöchel platziert werden – an gesunden Probanden. Hohe Frequenz (20 Hz) dämpfte die Blasenaktivität, was seit Langem angenommen worden war. Niedrige Frequenz (1 Hz) zeigte den gegenteiligen Effekt: Sie steigerte die Blasenaktivität.
Ein Filter im Gehirn
Die Forschenden gehen davon aus, dass Hirnstamm und Rückenmark wie ein Hochpassfilter wirken. Blasensignale passieren diesen Filter nur, wenn die Blase ausreichend gefüllt ist. Die Nervenstimulation kann diesen Filter in Abhängigkeit von der Frequenz beeinflussen. Die Forschenden erstellten zudem ein Computermodell dieses Systems, das die experimentellen Befunde vorhersagen konnte.
Dieses Modell erlaubt es, Hypothesen zu testen, ohne sofort neue Patientenstudien durchführen zu müssen, was den Forschungsprozess beschleunigen könnte.
Bedeutung für die alternde Blase
Blasenprobleme nehmen mit dem Alter deutlich zu. Sowohl die überaktive Blase als auch der Harnverhalt – also die Unfähigkeit, die Blase vollständig zu entleeren – treten im höheren Lebensalter häufiger auf. Bestehende Therapien helfen nicht allen Betroffenen. Sollte die Niedrigfrequenzstimulation die Blase tatsächlich nicht-invasiv aktivieren können, wäre das ein möglicher neuer Ansatz bei Harnverhalt. Die Forschenden betonen, dass klinische Studien nötig sind, um die Wirksamkeit bei Patienten zu belegen. Die vorliegenden Ergebnisse stammen aus Versuchen mit gesunden Personen und sind kein Wirksamkeitsnachweis bei Blasenerkrankungen.
Want to research this yourself?
Search for example:
- tibial nerve stimulation bladder activity
- urinary retention non-invasive therapy
- neuromodulation lower urinary tract