Das alternde Kleinhirn arbeitet noch jenseits der 80 zuverlässig
Das Gehirn schrumpft und verliert mit der Zeit an Struktur. Doch eine Region verhält sich überraschend: Sie funktioniert fast so gut wie vor Jahrzehnten. Selbst bei Menschen über 80 bewältigt das Kleinhirn motorische Aufgaben auf einem Niveau, das mit dem junger Erwachsener vergleichbar ist.
Das Kleinhirn koordiniert Bewegung, Gleichgewicht und Feinmotorik. Hirnscans zeigen deutlich, dass es sich mit dem Alter strukturell verändert: Das Volumen nimmt ab, und die Verbindungen zwischen den Zellen werden weniger dicht. Die gängige Annahme lautete, dass dieser strukturelle Abbau sich unmittelbar in funktionellen Einschränkungen niederschlagen würde.
Drei Altersgruppen, sieben motorische Aufgaben
Die Forschenden untersuchten 160 Personen in drei Gruppen: 50 junge Erwachsene (20-35 Jahre), 80 ältere Erwachsene (55-70 Jahre) und 30 Personen über 80. Alle Teilnehmenden absolvierten eine Reihe von sieben motorischen Aufgaben und einer kognitiven Aufgabe, die jeweils gezielt auf Kleinhirn-spezifische Funktionen ausgerichtet waren. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift eLife veröffentlicht.
Die Befunde waren bemerkenswert. Die Kleinhirn-spezifischen Funktionen blieben bei älteren Erwachsenen im Vergleich zur jüngsten Gruppe erhalten. Sogar Teilnehmende über 80 erzielten bei diesen Aufgaben ähnliche Ergebnisse wie junge Erwachsene. Allgemeine sensomotorische Maße wie Reaktionszeit und Gesamtkoordination zeigten hingegen einen deutlichen Rückgang mit dem Alter.
Funktionelle Resilienz als zentrales Konzept
Die Forschenden bezeichnen dies als funktionelle Resilienz: die Fähigkeit einer Hirnregion, trotz struktureller Schäden ihre Aufgabe beizubehalten. Dass das Kleinhirn dies in so ausgeprägtem Maß zeigt, ist überraschend. Es deutet darauf hin, dass strukturelle Veränderungen im Gehirn nicht zwangsläufig den Verlust der entsprechenden Fähigkeit nach sich ziehen. Für die Langlebigkeitsforschung ist das bedeutsam: Nicht jedes messbare Zeichen des Gehirn-Alterns führt zu einem Funktionsverlust. Worauf die Resilienz des Kleinhirns beruht, ist bislang offen.
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