Blutstammzellen treiben chronische Entzündung im Alter an
Chronische niedriggradige Entzündung gehört zu den charakteristischen Merkmalen des Alterns. Doch wo liegt ihr Ursprung? Neue Forschungsergebnisse deuten auf blutbildende Stammzellen im Knochenmark hin.
Mit zunehmendem Alter verändert sich das blutbildende System. Stammzellen im Knochenmark, aus denen sämtliche Blutzellen hervorgehen, beginnen sich anders zu verhalten. Eine neue Studie, die in Nature Aging veröffentlicht wurde, zeigt, dass ein Protein namens SIRT3 bei diesem Wandel eine Schlüsselrolle spielt. SIRT3 reguliert die Funktion der Mitochondrien, der energieproduzierenden Strukturen in den Zellen.
Trainierte Immunität außer Kontrolle
Das Immunsystem kann durch frühere Expositionen „trainiert" werden und dabei eine erhöhte Reaktionsbereitschaft behalten. Bei jungen, gesunden Menschen ist dies im Allgemeinen vorteilhaft. Im Alter kann dieses Training jedoch aus dem Gleichgewicht geraten. Die Forschenden zeigten an Mäusen, dass eine verminderte SIRT3-Aktivität dazu führt, dass Blutstammzellen eine Form maladaptiver trainierter Immunität entwickeln. Diese Stammzellen bringen vermehrt entzündungsfördernde Immunzellen hervor, insbesondere bestimmte weiße Blutkörperchen, die als myeloide Zellen bekannt sind.
Diese proinflammatorischen Zellen zirkulieren anschließend durch den gesamten Körper und verursachen Gewebeschäden. Bei den untersuchten Mäusen führte dies zu messbaren Funktionseinbußen in verschiedenen Organen. Auch die Mitochondrien in den Blutstammzellen zeigten bei verringerter SIRT3-Aktivität eine schlechtere Leistungsfähigkeit.
Vom Knochenmark zur körperweiten Entzündung
Was diese Studie besonders bemerkenswert macht, ist die vorgeschlagene Kausalitätsrichtung: Nicht ein erkranktes Organ erzeugt die Entzündung, sondern die Blutstammzellen selbst fungieren als Quelle. SIRT3 scheint dabei wie eine Bremse zu wirken. Ohne dieses Protein werden Stammzellen darauf programmiert, als Reaktion auf jeden Reiz mehr entzündliche Zellen zu produzieren als eigentlich nötig wäre.
Ob dieselben Mechanismen auch beim Menschen zutreffen, ist noch nicht belegt. Die Befunde passen jedoch zu früheren Arbeiten, die eine Alterung der Blutstammzellen mit steigenden Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere altersbedingte Leiden in Verbindung bringen. Aus der Perspektive der Langlebigkeitsforschung eröffnet die Annahme, dass trainierte Immunität die alterungsbedingte Entzündung antreibt, mögliche Ansatzpunkte im Bereich von SIRT3 oder der mitochondrialen Funktion in Stammzellen, auch wenn dies in der vorliegenden Studie noch nicht untersucht wurde.
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