Chronische Entzündung erklärt bis zu einem Viertel des Alterungsrisikos
Wie groß ist die Rolle chronischer Entzündung beim Altern? Größer als viele annehmen, aber auch kleiner als manche Forscher hoffen. Eine große US-Studie liefert nun konkrete Zahlen.
Niedriggradige chronische Entzündung, mitunter als „Inflammaging" bezeichnet, gilt seit Langem als zentraler Treiber des biologischen Alterns. Doch welcher Anteil des Sterberisikos, der mit beschleunigtem biologischem Altern einhergeht, ist tatsächlich auf Entzündungsprozesse zurückzuführen? Diese Frage blieb bislang unbeantwortet. Die Studie wertete Daten von 2.532 Teilnehmern aus einer national repräsentativen US-Kohorte aus, mit einer mittleren Nachbeobachtungszeit von mehr als achtzehn Jahren.
Die Forschenden nutzten die DunedinPoAm-Uhr, ein Maß für das Tempo des biologischen Alterns, das aus DNA-Methylierungsmustern abgeleitet wird. Menschen im obersten Quartil dieses Uhrzeigers hatten ein 2,5-fach erhöhtes Sterberisiko im Vergleich zu jenen im untersten Quartil. Das Team berechnete anschließend, wie viel dieses erhöhten Risikos durch Entzündungsmarker vermittelt wird, darunter CRP, CD4+-T-Zellen und B-Zellen. Dieser Anteil lag je nach Methode und betrachtetem Biomarker zwischen 2,3 und 23,5 Prozent.
Eine breite Spanne, ein klares Signal
Diese große Bandbreite ist aufschlussreich. Sie zeigt, dass Entzündung einen echten Beitrag zur altersbedingten Sterblichkeit leistet, aber nicht die ganze Geschichte erzählt. Andere Mechanismen wie Telomerverkürzung, mitochondriale Dysfunktion oder gestörtes Protein-Gleichgewicht spielen wahrscheinlich ebenfalls unabhängige Rollen. Die Forschenden stellten außerdem fest, dass Menschen mit Diabetes besonders anfällig für die Kombination aus beschleunigtem biologischem Altern und chronischer Entzündung sind.
Aus der Perspektive der Langlebigkeitsforschung ist das bedeutsam: Entzündungen zu reduzieren ist sinnvoll, wird das biologische Altern aber nicht allein aufhalten. Die Studie legt zudem nahe, dass die DunedinPoAm-Uhr gut über verschiedene ethnische Bevölkerungsgruppen hinweg funktioniert, was einen Fortschritt gegenüber früheren Alterungsuhren darstellt, die überwiegend an homogenen westlichen Kohorten validiert wurden.
Was das für die Prävention bedeutet
Chronische Entzündung lässt sich durch den Lebensstil teilweise beeinflussen: Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stressbewältigung haben nachweislich Auswirkungen auf Entzündungsmarker. Doch die Studie warnt implizit vor Überschätzung. Wer ausschließlich auf Entzündung zielt, bekämpft nur einen Teil des Problems. Ein breiterer Ansatz, der mehrere Alterungsmechanismen gleichzeitig adressiert, dürfte wirksamer sein. Es handelt sich dabei um Ergebnisse einer Beobachtungsstudie; kausale Zusammenhänge sind nicht belegt.
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