Darmbakterien verbessern die Qualität alternder Eizellen
Die Qualität von Eizellen nimmt schneller ab als die der meisten anderen Körperbereiche. Nun zeigt sich, dass Darmbakterien diesen Rückgang verlangsamen können – über ein Molekül, das sie selbst produzieren.
Frauen, die erst später im Leben schwanger werden möchten, stoßen häufig auf eine verringerte Eizellqualität. Die Befruchtungsrate sinkt, das Risiko chromosomaler Fehler steigt. Dies ist eine der greifbarsten Erscheinungsformen reproduktiver Alterung. Doch was treibt diesen Rückgang an – und lässt er sich umkehren?
Neue Forschungsergebnisse, die von den Forschenden selbst beschrieben werden, zeigen, dass Glutaminsäure – eine Aminosäure, die von Darmbakterien produziert wird – die Qualität gealterter Eizellen verbessern kann. Das Darmmikrobiom, also die Gemeinschaft der im Darm lebenden Bakterien, verändert sich mit dem Alter. Ältere Därme produzieren weniger bestimmter nützlicher Verbindungen, darunter auch Glutaminsäure.
Eine Aminosäure als Bindeglied
Glutaminsäure gehört zu den häufigsten Aminosäuren im Körper. Sie spielt eine Rolle bei der zellulären Energieproduktion und beim Schutz vor oxidativem Stress – jenem Prozess, bei dem schädliche Moleküle (freie Radikale) Zellen schädigen. In alternden Eizellen ist die Energiegewinnung durch die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zelle, deutlich eingeschränkt.
Die Forschenden stellten fest, dass eine Supplementierung mit Glutaminsäure die Mitochondrienfunktion in gealterten Eizellen teilweise wiederherstellen konnte. Die Eizellen teilten sich erfolgreicher, wiesen weniger chromosomale Fehler auf und zeigten geringere Anzeichen oxidativer Schäden. Die Effekte wurden sowohl bei direkter Supplementierung als auch bei einer gezielten Veränderung des Darmmikrobioms hin zu erhöhter Glutaminsäureproduktion beobachtet.
Was das in der Praxis bedeuten könnte
Die Ergebnisse stammen aus Tierversuchen. Ob dieselben Effekte beim Menschen auftreten, ist bislang nicht belegt. Die Studie liefert jedoch eine konkrete Verbindung zwischen dem Darmmikrobiom und der zellulären Alterung.
Die Vorstellung, dass die Eizellgesundheit über den Darm beeinflusst werden kann – und nicht nur über hormonelle oder genetische Wege – ist vergleichsweise neu. Sie eröffnet mögliche Ansatzpunkte für Eingriffe, die die reproduktive Alterung verlangsamen könnten.