Was macht die Menopause mit deiner Darmflora?
Die Menopause verändert die Zusammensetzung der Darmflora, vor allem auf der Ebene einzelner Bakterienarten und in der Art, wie der Darm Östrogen verarbeitet. Ob und welche Beschwerden daraus entstehen und was du dagegen tun kannst, ist noch Gegenstand aktiver Forschung.
In der Menopause sinkt der Östrogenspiegel – und das verändert die Zusammensetzung deiner Darmbakterien. Auf der Ebene der großen Bakterienfamilien bleibt der Effekt gering: Eine Auswertung von drei Studien fand keine messbaren Unterschiede in den Anteilen der dominanten Hauptgruppen. Auf der Ebene einzelner Bakterienarten sind die Verschiebungen dagegen sichtbar. Bestimmte Arten wie Odoribacter und Bilophila nehmen zu, während Akkermansia muciniphila, ein Bakterium, das die Darmschleimhaut schützt, abnimmt.
Einer der deutlichsten Effekte zeigt sich im sogenannten Estrobolom: dem Teil deiner Darmflora, der Östrogen abbaut und einen Teil davon wieder ins Blut zurückgibt. Nach der Menopause arbeitet dieses System weniger aktiv, sodass dein Körper noch weniger Östrogen aufnimmt, als er ohnehin produziert. Das kann sich selbst verstärken: Weniger Östrogen verändert die Darmflora, und die veränderte Darmflora verstärkt ihrerseits den Östrogenabfall.
Ob auch die Gesamtvielfalt der Darmflora sinkt, ist nicht eindeutig. Eine große Studie mit mehr als 2.000 hispanischen Frauen zeigte eine Tendenz in diese Richtung, zwei weitere Studien fanden jedoch keinen signifikanten Unterschied. Zwei separate Studien beobachteten zudem einen Zusammenhang mit ungünstigeren Blutzucker- und Fettstoffwechselwerten – das sind jedoch Assoziationen, keine belegten Ursache-Wirkungs-Beziehungen. Dass das Fehlen weiblicher Geschlechtshormone zu einer durchlässigeren Darmwand und mehr Entzündung führt, zeigen bisher nur Mäusedaten.
Probiotika und Präbiotika werden als mögliche Unterstützung erforscht. Es gibt erste Hinweise auf günstige Effekte auf die Knochengesundheit und kardiometabolische Risikofaktoren, doch die Studien sind klein und die zugrunde liegenden Mechanismen noch nicht gut verstanden.
Diese Antwort stützt sich auf eine systematische Auswertung von drei kleinen Studien (insgesamt 156 Teilnehmerinnen), eine große Bevölkerungsstudie mit mehr als 2.000 hispanischen Frauen, Tierversuche mit ovarektomierten Mäusen sowie mehrere Übersichtsarbeiten. Die Evidenzlage ist überwiegend beobachtend: Sie zeigt Zusammenhänge, kann aber Ursache und Wirkung beim Menschen nicht belegen. Die Befunde zur Darmpermeabilität und zum Estrobolom stammen größtenteils aus Tier- oder mechanistischen Studien.
Verändert sich mein Darmmikrobiom mit dem Alter, und ist das ein Problem?
Dein Darmmikrobiom verändert sich mit dem Alter, aber ob das schädlich ist, hängt stark davon ab, in welche Richtung. Deine Ernährung hat darauf großen Einfluss, also ist das ein konkreter Hebel, den du selbst bedienen kannst.
Woran erkennst du, dass deine Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten ist?
Es gibt mehrere erkennbare Signale, am besten belegt sind Bauchbeschwerden wie anhaltende Schmerzen, Durchfall oder Verstopfung. Wenn du nach einer Antibiotikakur oder einer Darminfektion über längere Zeit Darmbeschwerden hast, sprich das mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt an.
Was macht Alkohol mit deiner Darmflora?
Chronisch starker Alkoholkonsum stört die Darmflora nachweislich und hat damit Folgen für Herz und Leber. Moderater Konsum wurde in diesen Studien nicht untersucht, doch die beschriebenen Mechanismen zeichnen ein klares Bild davon, wie der Schaden entsteht.
Kann dein Darmmikrobiom Entzündungen im Körper beeinflussen?
Dein Darmmikrobiom kann über die Darmwand Entzündungsprozesse im gesamten Körper beeinflussen. Mehr Ballaststoffe und regelmäßige Bewegung sind die am besten belegte Möglichkeit, das positiv zu steuern.
Verändern sich mein Gewicht und mein Stoffwechsel in den Wechseljahren?
In den Wechseljahren verändert sich deine Körperzusammensetzung deutlich: mehr Bauchfett, weniger Muskeln und ein niedrigerer Ruheumsatz. Bewegung und Ernährung helfen nachweislich, und eine Hormontherapie ist als ergänzende Option einen Arztbesuch wert.
Hängt mein Darmmikrobiom mit Übergewicht zusammen?
Das Darmmikrobiom hängt wahrscheinlich über mehrere Mechanismen mit Übergewicht zusammen, ein nachgewiesener Kausalzusammenhang beim Menschen fehlt jedoch noch. Eine abwechslungsreiche Ernährung, die das Mikrobiom unterstützt, ist sinnvoll – spezifische Nahrungsergänzungsmittel zur Gewichtsabnahme sind dagegen bislang nicht ausreichend belegt.