Was macht die Menopause mit deiner Darmflora?
Die Menopause verändert deine Darmflora spürbar, wenngleich der Effekt weniger dramatisch ist als manchmal suggeriert wird. Die konkreteste Folge ist ein gestörter Kreislauf, in dem Darmflora und Östrogen sich gegenseitig nach unten ziehen. Was du über Ernährung oder Probiotika praktisch dagegen tun kannst, wird noch intensiv erforscht.
Die Menopause senkt den Östrogenspiegel – und das hat direkte Folgen für die Darmbakterien. Die Darmflora enthält ein Enzym, das Östrogen in seine aktive Form umwandelt, sodass der Körper es wiederverwenden kann. Nach der Menopause ist dieses Enzym weniger aktiv, was den Östrogenspiegel weiter sinken lässt. Darmflora und Hormone ziehen sich so gegenseitig nach unten.
Auf der Ebene einzelner Bakterienarten sind messbare Verschiebungen nachweisbar. Akkermansia muciniphila, ein Bakterium, das die Darmwand schützt, nimmt nach der Menopause ab. Andere Arten wie Bacteroides nehmen dagegen zu. Eine große Studie zeigte, dass die Darmflora von Frauen nach der Menopause der von Männern immer ähnlicher wurde. Auf der Ebene großer Bakteriengruppen lassen sich jedoch kaum menopausespezifische Muster erkennen, und diese Befunde fallen von Studie zu Studie unterschiedlich aus.
Ob die Vielfalt der Darmflora nach der Menopause deutlich abnimmt, ist weniger gesichert als oft behauptet. Große Studien sehen einen entsprechenden Trend, doch in kleineren Untersuchungen ist dieser Unterschied statistisch nicht bedeutsam. Ein Teil der Veränderungen hängt schlicht mit dem allgemeinen Älterwerden zusammen, nicht spezifisch mit der Hormonveränderung.
Die Darmwand scheint nach der Menopause durchlässiger zu werden. Dadurch können Bakterien und ihre Stoffwechselprodukte leichter in die Blutbahn gelangen. Das begünstigt eine schwelende, chronische Entzündung, die möglicherweise zu Knochenschwund und einem ungünstigeren Herz-Kreislauf-Profil beiträgt. Dieser Zusammenhang wurde allerdings zum Teil bei Frauen untersucht, denen die Eierstöcke operativ entfernt wurden, nicht ausschließlich bei Frauen mit natürlicher Menopause.
Probiotika wie Lactobacillus-Arten werden als mögliche Unterstützung der Darmflora bei Frauen in den Wechseljahren erforscht. Es gibt vorsichtige Hinweise, dass sie Vielfalt und Stoffwechsel etwas verbessern können. Welche konkreten Stämme bei welcher Beschwerde und in welcher Dosis wirken, lässt sich bisher nicht sagen – dazu fehlen noch ausreichend große Studien.
Basiert auf einer Kombination aus bevölkerungsweiten Beobachtungsstudien, Übersichtsarbeiten und einer Metaanalyse aus drei kleineren Studien. Kausale Zusammenhänge sind teilweise plausibel, aber nicht vollständig belegt. Viele mechanistische Erkenntnisse stammen aus Studien an Frauen, bei denen die Menopause operativ herbeigeführt wurde.