Darmtumoren wachsen über verborgenen Protein-Schalter
Kolorektale Krebszellen teilen sich schneller, sobald ein einzelnes hemmendes Protein fehlt. Dieses Protein wirkt nicht über eine genetische Mutation, sondern über einen Signalweg, der im gesunden Darmgewebe normalerweise unter Kontrolle gehalten wird. Der Befund könnte neue Angriffspunkte für Therapien aufzeigen.
Die Darmschleimhaut erneuert sich ständig: Zellen werden fortlaufend abgestoßen und ersetzt. Diese Zellteilung muss streng reguliert sein. Wird die Bremse gelöst, können Zellen unkontrolliert proliferieren und ein Tumor kann entstehen. Im gesunden Gewebe fungiert das Protein SLAP (Src-like adaptor protein) als hemmender Schalter für eine Klasse von Signalmolekülen, die die Zellteilung antreiben: die Src-Familien-Kinasen (SFKs).
Was SLAP im Darm bewirkt
Forschende, die in eLife publizierten, zeigten, was geschieht, wenn dieses hemmende Protein fehlt. Die Studie nutzte ein Mausmodell, in dem SLAP gezielt aus intestinalen Epithelzellen entfernt wurde. Das Ergebnis: Die Zellen teilten sich deutlich schneller, und in einem Modell für kolorektalen Krebs beschleunigte sich die Tumorentwicklung. Der Bezug zum menschlichen Krebs ist noch nicht belegt, doch die Befunde legen nahe, dass SLAP als Tumorsuppressor wirkt.
Der zugrundeliegende Mechanismus war bemerkenswert. Fehlt SLAP, reichert sich das Rezeptorprotein EPHB2 in der Zelle an und aktiviert Src-Kinasen. EPHB2 wurde zuvor bereits mit Tumorentwicklung in Verbindung gebracht, doch die genaue Ursache-Wirkungs-Kette blieb unklar. Die pharmakologische Hemmung von EPHB2 im Mausmodell machte die übermäßige Zellteilung weitgehend rückgängig. Damit rückt EPHB2 als möglicher Wirkstoff-Angriffspunkt ins Blickfeld.
Ein nicht-genetischer Mechanismus
Was diesen Befund auszeichnet, ist sein nicht-genetischer Charakter. Kolorektaler Krebs wird typischerweise mit Mutationen in bekannten Genen wie APC oder KRAS assoziiert. Hier betrifft die Veränderung die Menge und Aktivität eines Proteins – ohne jede Veränderung der DNA selbst. Das ist für eine Untergruppe von Tumoren relevant, bei denen keine der bekannten Mutationen nachweisbar ist.
Kolorektaler Krebs tritt mit zunehmendem Alter häufiger auf. Ob der SLAP-Signalweg mit Alterungsprozessen zusammenhängt, wurde bislang nicht untersucht. Die Forschenden verstehen ihre Arbeit als mechanistische Erkenntnis, nicht als klinische Anwendung.
Für eigene Recherchen empfehlen sich folgende Suchbegriffe: Src-family kinases colorectal tumorigenesis, EPHB2 receptor intestinal epithelium, non-genetic tumor suppression colon cancer