Die postmenopausale Ovar ist noch aktiv
Nach der Menopause schalten die Eierstöcke nicht einfach ab. Ein neuer Übersichtsartikel in Science fragt, ob die postmenopausale Ovar als biologisch irrelevant zu schnell abgehakt wurde.
Die vorherrschende Ansicht lautet seit Langem, dass die Eierstöcke nach der Menopause weitgehend inaktiv werden. Sie stellen die Eizellreifung ein und produzieren nicht mehr jene Östrogenmengen, an die der Körper zuvor gewöhnt war. Doch das bedeute nicht, dass sie biologisch tot seien, argumentiert der Artikel in Science.
Postmenopausale Eierstöcke produzieren weiterhin Hormone – darunter Androgene, jene Gruppe von Sexualhormonen, zu der auch Testosteron gehört. Diese Androgene können in anderen Geweben durch einen Prozess namens Aromatisierung in Östrogen umgewandelt werden. Das so lokal entstehende Östrogen dürfte Auswirkungen auf umliegendes Gewebe haben, etwa auf Brustgewebe, Knochen und das Herz-Kreislauf-System. Wie stark diese postmenopausale Hormonsynthese die langfristige Gesundheit beeinflusst, ist bislang kaum geklärt.
Ein vergessenes Organ mit aktiver Rolle
Der Artikel vertritt zudem die These, dass der Eierstock auch nach der Menopause an der Immunregulation und an Entzündungsprozessen beteiligt bleibt. Eierstockgewebe enthält eine beträchtliche Zahl an Immunzellen, und deren Zusammensetzung verschiebt sich nach der Menopause. Ob diese Veränderungen gesundheitliche Folgen haben, die unabhängig vom hormonellen Übergang sind, bleibt eine offene Frage.
Aus Sicht der Longevity-Forschung ist das bedeutsam. Frauen leben im Durchschnitt länger als Männer, verbringen dabei aber einen erheblichen Teil ihres Lebens nach der Menopause. Wenn der Eierstock in dieser Phase biologisch aktiv bleibt und Entzündungsprozesse, Knochendichte oder die Herz-Kreislauf-Gesundheit beeinflusst, ist ein Verständnis dieser Rolle wichtig für die Entwicklung zielgenauerer Therapieansätze. Die Autorinnen und Autoren fordern mehr Forschung zur postmenopausalen Ovar als eigenem Forschungsfeld – getrennt von der breiter geführten Debatte zur Hormontherapie.
Die Hormonproduktion hört nicht vollständig auf
Die übergeordnete Schlussfolgerung lautet: Die Hormontherapie nach der Menopause ist nicht die einzige relevante Geschichte. Der Eierstock selbst könnte noch eine Rolle spielen, die kaum verstanden ist. Das macht gezielte Studien nötig, die untersuchen, was die Eierstöcke nach der Menopause tatsächlich leisten – und ob diese Aktivität im Kontext des Alterns schützend, neutral oder schädlich ist.
Willst du selbst weitersuchen?
Suche zum Beispiel nach:
- postmenopausal androgen aromatization
- ovarian immune regulation aging
- local estrogen tissue production