Ein Gehirn-Protein verlangsamt tau-bedingte Schäden bei Alzheimer-Mäusen
Verklumpende Tau-Proteine gehören zu den charakteristischen Merkmalen der Alzheimer-Krankheit. Forschende haben einen natürlichen zellulären Schutzmechanismus entdeckt, der diesen Schaden bremst. Und es könnte möglich sein, ihn zu verstärken.
Bei Alzheimer und verwandten Hirnerkrankungen verändern sich Tau-Proteine chemisch. Sie lagern sich dann zu Strukturen zusammen, die als neurofibrilläre Tangles bezeichnet werden. Diese Tangles schädigen Neuronen und stören deren normale Funktion. Mit fortschreitender Erkrankung sterben immer mehr Gehirnzellen ab.
Die Forschenden stellten fest, dass ein Protein namens SORLA (kodiert durch das SORL1-Gen) eine Rolle beim Transport und beim Abbau von Tau innerhalb von Neuronen spielt. SORLA ist Teil eines zellulären Sortiersystems, das bestimmt, wohin Proteine in der Zelle gelangen. Bei Alzheimer-Patienten ist die SORLA-Produktion vermindert. Das war in Bezug auf Amyloid-beta, ein weiteres bei Alzheimer beteiligtes Aggregations-Protein, bereits bekannt, doch der Zusammenhang mit Tau war bislang weniger gut erforscht.
Was zeigt das Tiermodell?
Bei Mäusen, die genetisch so verändert wurden, dass sie eine Tau-Pathologie entwickeln (das PS19-Modell), verlangsamte eine erhöhte SORLA-Expression die Tau-Ansammlung und den Verlust von Synapsen, also den Verbindungen zwischen Neuronen. Zudem wurde die Überaktivierung von Gliazellen reduziert, den Stützzellen des Gehirns, die bei chronischer Aktivierung selbst zu Schäden beitragen können. Das Gedächtnis der Tiere schien in frühen Messungen besser geschützt zu sein. Die Studie wurde in Science Advances veröffentlicht.
Es handelt sich um Befunde aus einem Mausmodell, nicht aus Studien am Menschen. Der Schritt hin zu einer wirksamen Behandlung beim Menschen ist groß und mit Unsicherheiten verbunden. Dass SORLA durch groß angelegte Genomstudien (GWAS) bereits genetisch mit dem Alzheimer-Risiko in Verbindung gebracht wurde, verleiht dem Befund zusätzliches wissenschaftliches Gewicht.
Ein neuer Ansatz für die Behandlung?
Wenn sich die SORLA-Expression durch ein Medikament oder eine Gentherapie erhöhen lässt, könnte es möglich sein, die Tau-Pathologie zu verlangsamen. Das bleibt ein hypothetisches Szenario, bietet aber ein konkretes biologisches Ziel. Die Erforschung von SORL1 als therapeutisches Ziel steht nun auf etwas festererem Boden.
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