Ein Neuron-Protein könnte Alzheimer früh auslösen
Was, wenn nicht die bekannten Amyloid-Plaques der erste Auslöser von Alzheimer sind, sondern ein anderes Protein? Forscher haben einen Rezeptor in Gehirnzellen identifiziert, der bei übermäßiger Expression eine Kaskade zentraler Alzheimer-Merkmale in Gang setzt. Das eröffnet einen möglichen neuen Therapieansatz.
Die in Nature veröffentlichte Studie konzentrierte sich auf ERBB4, einen Rezeptor auf der Oberfläche aktiver Neuronen. Unter normalen Bedingungen unterstützt dieses Protein die Kommunikation zwischen Nervenzellen. In Alzheimer-Mausmodellen trat ERBB4 jedoch viel zu früh und in viel zu hoher Konzentration auf. Es häufte sich in einer bestimmten Zellgruppe an, die die Forscher als „früh reagierende exzitatorische Neuronen" bezeichneten.
Als das Team das ERBB4-Gen gezielt in diesen Zellen ausschaltete, gingen mehrere typische Alzheimer-Merkmale gleichzeitig zurück: krankhafte Netzwerkaktivität im Gehirn, Synapsenverlust, reaktive Gliose, Ablagerung von Amyloid-Plaques und kognitive Einbußen nahmen allesamt ab. Umgekehrt rief eine künstlich herbeigeführte Überexpression von ERBB4 in gesunden Mäusen dieselben Merkmale hervor – selbst ohne Amyloid-Plaques. Dieser Befund ist bemerkenswert, denn die Alzheimer-Forschung hat sich lange Zeit fast ausschließlich auf Amyloid konzentriert.
mTOR als Bindeglied
Das Protein wirkt über mTOR, einen bekannten Wachstumssignalweg in Zellen, der steuert, wie Zellen wachsen, sich teilen und auf Stress reagieren. Ein überaktives ERBB4 scheint mTOR einzuschalten, was dann nachgelagerte Schäden nach sich zieht. Analysen von menschlichem Alzheimer-Hirngewebe zeigten, dass erhöhte ERBB4-Aktivität mit der Ausbreitung des Tau-Proteins und dem kognitiven Abbau korrelierte – ein Befund, der die Mausdaten teilweise stützt.
Gründe zur Vorsicht
Alzheimer-Mausmodelle sind künstliche Konstrukte: Mäuse entwickeln die Krankheit nicht auf natürlichem Weg, und die Modelle basieren auf Annahmen darüber, welche Mechanismen ausschlaggebend sind. Ergebnisse aus Tierversuchen lassen sich oft nicht auf den Menschen übertragen. Die Humandaten sind vielversprechend, aber nicht abschließend. Aus Sicht der Langlebigkeitsforschung ist die Entdeckung dennoch aufschlussreich: Wenn die Überexpression von ERBB4 tatsächlich ein frühes Ereignis ist, könnte ein Eingriff an diesem Protein oder an mTOR das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen, bevor sichtbare Schäden entstehen. Wie das klinisch aussehen würde, muss die Forschung erst noch zeigen.
Selbst recherchieren?
Zum Beispiel suchen nach:
- ERBB4 neuronal overexpression
- mTOR signaling Alzheimer's disease
- excitatory neurotoxicity