Psychedelika könnten alternde Gehirnzellen frühzeitig schützen
Psychedelika werden bereits als Behandlung von Depressionen und Angststörungen erforscht. Ein neuer wissenschaftlicher Kommentar legt nun etwas Überraschendes nahe: Die Substanzen könnten Nervenzellen auch vorbeugend schützen, bevor überhaupt ein Schaden entsteht.
Ein Meinungsbeitrag in Science erörtert die Möglichkeit, Psychedelika als vorbeugende Neuroprotektoren einzusetzen, also als Substanzen, die Nervenzellen nicht erst nach einer Schädigung schützen, sondern im Voraus widerstandsfähiger machen. Die Forschenden beschreiben Mechanismen, über die Psychedelika die Belastbarkeit von Nervenzellen steigern könnten.
Wie der zelluläre Schutz funktionieren soll
Psychedelika wie Psilocybin und LSD aktivieren bestimmte Rezeptoren auf Nervenzellen, die an der neuronalen Plastizität beteiligt sind, also an der Fähigkeit des Gehirns, sich anzupassen. Das könnte Zellen in die Lage versetzen, Stress, Giftstoffe oder Energiemangel besser zu überstehen. Zellstudien und Tiermodelle liefern Hinweise darauf, dass eine solche Aktivierung auch Hirnschäden verringern kann.
Die Autoren trennen ausdrücklich zwischen vorbeugender und therapeutischer Anwendung. Therapeutisch bedeutet, Psychedelika erst nach Ausbruch einer Erkrankung zu verabreichen. Vorbeugend bedeutet, sie vor einer erwarteten Belastung einzusetzen, etwa vor einer Chemotherapie, oder als Schutz gegen eine künftige Neurodegeneration, den fortschreitenden Verlust von Nervenzellen.
Viele Fragen sind offen
Es handelt sich um einen Meinungsbeitrag, keine randomisierte Studie. Die Autoren stellen eine Hypothese vor, die klinisch noch zu prüfen ist. Richtige Dosierung, Zeitpunkt und Sicherheit einer Langzeitanwendung sind ungeklärt, ebenso die Frage, welche Bevölkerungsgruppen profitieren könnten.
Für die Langlebigkeitsforschung ist der Gedanke einer vorbeugenden Neuroprotektion dennoch bedeutsam. Neurodegeneration setzt mitunter Jahrzehnte vor den ersten Symptomen ein. Wirkstoffe, die Nervenzellen in dieser frühen Phase belastbarer machen, könnten das Altern des Gehirns theoretisch verlangsamen. Was daraus wird, muss sorgfältig kontrollierte Folgeforschung zeigen.
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