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Ein Protein in Blutstammzellen scheint die Immunalterung voranzutreiben

Redaktion LongevityWatch · 29. April 2026 · 2 min · English

Forschende haben einen molekularen Schalter in den blutbildenden Zellen des Körpers identifiziert, der durch Stress ausgelöst wird und die Alterung des Immunsystems offenbar beschleunigt. Das Protein trägt den Namen MLKL – seine Rolle beim Altern war bislang unbekannt.

Blutstammzellen sind die Produktionsstätte des Immunsystems. Sie erzeugen fortlaufend die roten und weißen Blutkörperchen sowie die Blutplättchen, die der Organismus zum Funktionieren braucht. Mit zunehmendem Alter verschiebt sich diese Produktion: Das Immunsystem gerät aus dem Gleichgewicht, bestimmte Zelllinien werden überproportional gebildet, während andere nachlassen, und die Gesamtqualität der Blutzellen sinkt. Das ist einer der Gründe, warum ältere Menschen anfälliger für Infektionen sind und warum bestimmte Blutkrebsarten im hohen Alter häufiger auftreten.

Eine neue, von Fight Aging! aufgegriffene Studie identifiziert das Protein MLKL als wichtigen Faktor in diesem Prozess. MLKL war bereits als Vollstrecker einer spezifischen Form des Zelltods bekannt, der sogenannten Nekroptose. Die Forschenden stellten jedoch fest, dass es auch durch viele andere Formen von Zellstress aktiviert wird – unabhängig vom Zelltod. In Blutstammzellen schädigt diese Aktivierung die Mitochondrien, jene Strukturen, die in den Zellen Energie erzeugen. Mitochondriale Dysfunktion ist ein wiederkehrendes Thema in der Alterungsbiologie: Beeinträchtigte Mitochondrien produzieren weniger Energie, geben mehr schädliche reaktive Moleküle ab und treiben Zellen in Dysfunktion und Verfall.

Stress als Beschleuniger der zellulären Alterung

Besonders bemerkenswert an dieser Studie ist der vorgeschlagene Mechanismus. MLKL scheint als eine Art gemeinsamer nachgelagerter Endpunkt für verschiedene Stresswege zu fungieren. Ob der Stress durch Entzündungen, DNA-Schäden oder oxidative Schädigung entsteht – MLKL wird aktiviert und schädigt anschließend die Mitochondrien der Stammzelle. Das legt nahe, dass angesammelter Stress über die gesamte Lebensspanne, gebündelt durch dieses eine Protein, zu den spezifischen Mustern der Immunalterung beiträgt, die bei älteren Organismen zu beobachten sind.

In Experimenten, bei denen MLKL in Mausstammzellen unterdrückt wurde, verbesserte sich die Mitochondrienfunktion, und das Alterungsprofil der Zellen verschob sich. Das ist vielversprechend, jedoch mit dem üblichen Vorbehalt verbunden: Es handelt sich um Mausversuche, und die Unterdrückung von MLKL hat weiterreichende Auswirkungen auf Zelltodprozesse, die nicht ohne Risiko sind.

Ein Ansatzpunkt für die Immunalterung

Der Wert dieses Befunds liegt in erster Linie auf konzeptioneller Ebene und weniger in einem unmittelbaren therapeutischen Nutzen. Die Immunalterung gehört zu den biologischen Prozessen, die am stärksten mit der Anfälligkeit im hohen Alter zusammenhängen. Impfstoffe werden weniger wirksam, Infektionen verlaufen schwerer, und die Fähigkeit, abnormale Zellen zu beseitigen, nimmt ab. Das Verständnis der molekularen Mechanismen, die diesen Prozess antreiben, eröffnet Möglichkeiten für gezielte Eingriffe.

Ob MLKL jemals zum Angriffspunkt eines Medikaments wird, ist ungewiss. Doch die Erkenntnis, dass verschiedenartige Stressformen in einem einzigen Protein zusammenlaufen und so die Alterung von Blutstammzellen beschleunigen, gibt der Forschung einen konkreten Interventionspunkt zum Testen – und das bedeutet in diesem Feld echten Fortschritt, nicht bloß inkrementelle Daten.

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