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Forschung · Herz & Gefäße

Ein Protein, zwei Herzerkrankungen: Haben Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz dieselbe Ursache?

Redaktion LongevityWatch · 4. April 2026 · 2 min · English

Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz gelten seit Jahrzehnten als zwei eigenständige Krankheiten. Neue Forschungsergebnisse stellen diese Annahme infrage: Beide Erkrankungen könnten auf demselben biologischen Defekt beruhen, nämlich einem Mangel an einem einzigen Protein.

Bei diesem Protein handelt es sich um TBX5, einen Transkriptionsfaktor, also einen molekularen Schalter, der bestimmt, welche Gene in Herzmuskelzellen an- oder abgeschaltet werden. Untersuchungen zeigen, dass ein Rückgang der TBX5-Expression das Herz auf zwei verschiedene Arten in die Fehlfunktion treiben kann: Entweder beginnen die Vorhöfe unregelmäßig zu schlagen, oder die Pumpleistung des Herzens nimmt ab. Welche Folge eintritt, hängt wahrscheinlich von zusätzlichen genetischen und umweltbedingten Faktoren ab, doch in beiden Fällen scheint derselbe zugrunde liegende Auslöser vorzuliegen.

Das klingt nach einer technischen Feinheit, hat aber weitreichende Konsequenzen. Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz betreffen zusammen weltweit Hunderte Millionen Menschen, und die bisherigen Therapien sind völlig verschieden. Vorhofflimmern wird mit Antikoagulanzien, rhythmusstabilisierenden Mitteln oder Ablation behandelt, einem Verfahren, bei dem Herzgewebe thermisch geschädigt wird, um fehlerhafte elektrische Signale zu unterbrechen. Herzinsuffizienz hingegen wird mit ACE-Hemmern, Betablockern und Diuretika therapiert. Wenn beide Erkrankungen auf demselben molekularen Problem beruhen, drängt sich eine naheliegende Frage auf: Könnte eine auf TBX5 abzielende Therapie beide Zustände gleichzeitig behandeln?

Warum Transkriptionsfaktoren so schwer pharmakologisch angreifbar sind

TBX5 reguliert die Expression einer Vielzahl anderer Gene und ist damit ein zentraler Knotenpunkt in der Biologie der Herzmuskelzellen, gilt aber auch als notorisch schwieriges Angriffsziel für Medikamente. Die meisten Arzneimittel wirken, indem sie an einen bestimmten Rezeptor oder ein Enzym binden. Transkriptionsfaktoren verfügen in der Regel nicht über eine solche klar definierte Andockstelle, was es historisch schwierig gemacht hat, sie pharmakologisch zu beeinflussen. Die Herausforderung besteht also nicht nur darin, ob TBX5 tatsächlich die gemeinsame Ursache ist, sondern ob diese Erkenntnis in eine praktisch anwendbare Therapie übersetzt werden kann.

Forschende weisen darauf hin, dass ein Rückgang der TBX5-Expression möglicherweise eine Folge des Alterungsprozesses selbst ist. Es ist gut belegt, dass sich die Gen-Expression in Herzmuskelzellen mit zunehmendem Alter verändert, was diese Forschung in den breiteren Kontext des altersbedingten Organabbaus einbettet.

Zwei Namen, eine Krankheit?

Die Forschenden plädieren nicht dafür, die Diagnosen zusammenzulegen, fordern aber ein Umdenken bei der Behandlungsstrategie. Wenn die zugrunde liegende Pathologie dieselbe ist, könnte es sinnvoller sein, früh in der biologischen Kausalkette anzusetzen, anstatt weiterhin jede Symptomgruppe separat zu bekämpfen. Wie realistisch das ist, wird von künftigen Untersuchungen abhängen, die klären müssen, wie die TBX5-Expression reguliert wird und ob sie sich wiederherstellen lässt, wenn sie einmal abgenommen hat. Vorerst bleibt das eine offene Frage.

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