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Forschung · Zellen & DNA

Einen zentralen Energieträger aufzufüllen reicht nicht – man muss auch seinen Abbau bremsen

Redaktion LongevityWatch · 15. April 2026 · 2 min · English

Ein Molekül, das im Zentrum der zellulären Energiegewinnung steht, nimmt mit dem Alter stark ab. Seit Jahren ist bekannt, dass Nahrungsergänzungsmittel es teilweise wiederherstellen können. Eine neue Mausstudie zeigt nun: Den größten Nutzen bringt es erst, wenn man zusätzlich die Enzyme blockiert, die es abbauen.

NAD+, Nicotinamidadenindinukleotid, ist in nahezu jeder Körperzelle vorhanden und für den Energiestoffwechsel, die DNA-Reparatur sowie die Regulation von Proteinen, die mit dem Alterungsprozess in Verbindung stehen, unverzichtbar. Seine Konzentration sinkt sowohl beim Menschen als auch bei Tieren mit zunehmendem Alter erheblich – ein Rückgang, der mit Muskelschwund, Stoffwechselstörungen und einer allgemein erhöhten Anfälligkeit für altersbedingte Erkrankungen einhergeht.

Nahrungsergänzungsmittel wie NMN (Nicotinamidmononukleotid) und NR (Nicotinamidribosid) liefern dem Körper die Ausgangsstoffe, die er zur Herstellung von NAD+ benötigt, und konnten in mehreren Studien die Gewebespiegel anheben. Allerdings wird NAD+ auch ständig abgebaut – vor allem durch ein Enzym namens CD38, dessen Aktivität im Alter zunimmt. Eine neue, von Lifespan.io berichtete Studie testete nun einen Doppelansatz: NMN zur Steigerung der Produktion, kombiniert mit Apigenin, einem pflanzlichen Wirkstoff aus Petersilie, Kamille und Sellerie, der CD38 hemmt und so den Abbau verlangsamt.

Muskelkraft und Knochenstruktur verbesserten sich

Bei gealterten Mäusen stellte die Kombinationsbehandlung die Muskelfunktion in einem Ausmaß wieder her, das weder NMN noch Apigenin allein erreichten. Auch die Knochenstruktur verbesserte sich – ein Befund mit klinischer Relevanz, da altersbedingter Muskelschwund (Sarkopenie) und Knochenschwund (Osteoporose) typischerweise parallel fortschreiten und gemeinsam das Frakturrisiko sowie die körperliche Gebrechlichkeit bestimmen.

Die Ergebnisse verweisen auf ein übergeordnetes Prinzip: Eine erschöpfte Ressource aufzufüllen ist wenig effektiv, wenn ihr Verbrauch gleichzeitig beschleunigt wird. Das Ganze gleicht einem Badewannendilemma – man kann den Wasserstand durch schnelleres Einfüllen heben, doch die wirkungsvollere Lösung besteht darin, auch den Abfluss zu drosseln. Genau das versucht die NMN-Apigenin-Kombination im NAD+-Stoffwechsel.

Die üblichen Einschränkungen bei Tierstudien gelten auch hier

Die Übertragung von Befunden aus Mausmodellen auf den Menschen ist nie einfach. Dosierung, Bioverfügbarkeit und Langzeitsicherheit in klinischen Patientengruppen sind noch nicht untersucht. Apigenin ist als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich und gilt bei niedrigen Dosen allgemein als sicher – das sagt jedoch nichts über die Wirksamkeit der Kombination in den Konzentrationen aus, die in Tierversuchen eingesetzt werden. Der menschliche Stoffwechsel dieser Verbindungen unterscheidet sich von dem der Maus in relevanten Punkten.

Was die Studie jedoch leistet, ist ein mechanistisches Argument dafür, die NAD+-Biologie als System mit mehreren Ansatzpunkten zu betrachten – und nicht als ein simples Defizit, das es aufzufüllen gilt. Ob dieses Argument beim Menschen zutrifft und in welchen Dosen, muss durch klinische Studien beantwortet werden. Mehrere NMN-Studien am Menschen laufen bereits; ob sie dabei auch eine CD38-Hemmung einbeziehen werden, bleibt abzuwarten.

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