Entzündungshemmung schützt das Herz nicht immer
Chronische Entzündung gilt als bekannter Risikofaktor für Herzerkrankungen. Wer Entzündungen reduziert, sollte das Herz schützen – so die Logik. Eine große neue Studie zeigt, dass diese Logik nicht aufgeht.
Novo Nordisk hat ein experimentelles entzündungshemmendes Medikament namens Ziltivekimab an mehr als 6.300 Menschen mit Herzerkrankungen, Nierenerkrankungen und erhöhten Entzündungswerten getestet – in der Theorie eine ideale Zielgruppe. Das Medikament senkte die Entzündungsmarker im Blut tatsächlich. Die klinischen Ergebnisse verbesserten sich jedoch nicht.
Entzündung sinkt, Risiko nicht
Die Rate an Herzinfarkten, Schlaganfällen und Herz-Kreislauf-Todesfällen unterschied sich zwischen der Ziltivekimab-Gruppe und der Kontrollgruppe nicht signifikant. Das ist das Fazit aus der Phase-3-Studie von Novo Nordisk. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse über STAT News.
Das ist ein empfindlicher Rückschlag für die Hypothese, dass eine Hemmung der Entzündung über diesen spezifischen Mechanismus ausreicht, um Herzereignisse zu verhindern. Der Ansatz war nicht neu: Frühere Wirkstoffe, die andere Entzündungswege gezielt blockierten, hatten Erfolg gezeigt. Offenbar kommt es nicht auf Entzündung im Allgemeinen an, sondern darauf, welchen Entzündungsweg man blockiert.
Was bedeutet das für die Langlebigkeitsforschung?
Chronische Entzündung auf niedrigem Niveau – sogenanntes Inflammaging – ist eines der zentralen Konzepte der Alternsforschung. Die Idee, dass das Dämpfen dieser schwelenden Entzündung das Altern und die damit verbundenen Krankheiten verlangsamen kann, liegt zahllosen Studien und Produkten zugrunde. Dieses Ergebnis mahnt zur Vorsicht.
Nicht jede Entzündung ist gleich, und nicht jedes entzündungshemmende Medikament beugt tatsächlich Herzerkrankungen vor. Ziltivekimab zielt auf ein bestimmtes Protein der Immunantwort ab (IL-6). Frühere Wirkstoffe, die bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen Erfolge erzielten, richteten sich gegen ein anderes Protein (IL-1β). Dieser Unterschied erweist sich in der Praxis als entscheidend.
Für alle, die auf eine breite Entzündungshemmung als Eingriff gegen das Altern hoffen, ist das eine nützliche Erinnerung: Der Mechanismus hinter der Entzündung ist ausschlaggebend. Bevor eine entzündungshemmende Therapie als standardmäßige Maßnahme zur Lebensverlängerung empfohlen werden kann, braucht es mehr Belege und eine deutlich größere Präzision.
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